Zürcher SP will mit Seiler Graf und Galladé in den Regierungsrat
Die Zürcher SP setzt bei den Regierungsratswahlen 2027 auf zwei bekannte Gesichter: Nationalrätin Priska Seiler Graf und der Winterthurer Sozialvorsteher Nicolas Galladé sollen zwei Sitze holen. Aktuell besonders wichtig: Beide sind innerhalb der SP unbestritten.
(Keystone-SDA) «Wir wollen den zweiten Sitz zurückgewinnen», fasste Co-Präsidentin Michèle Dünki-Bättig am Freitag das Wahlziel zusammen. Seiler Graf und Galladé sollen also nicht nur den Sitz der abtretenden Justizdirektorin Jacqueline Fehr halten. Sie sollen auch jenen zweiten Sitz zurückholen, den die SP mit dem Parteiaustritt von Sicherheitsdirektor Mario Fehr verlor.
Dünki-Bättig ist überzeugt, dass Seiler Graf und Galladé dies schaffen. Beide hätten grosse Bekanntheit und viel politische Erfahrung. Und was einen Tag nach dem landesweit beachteten Parteiaustritt von Ständerat Daniel Jositsch besonders wichtig ist: «Sie verfügen über innerparteiliche Akzeptanz und Verankerung.»
Kein «links-rechts-Schema»
Beide Kandidierenden sind innerhalb der SP unbestritten. Auf einem «links-rechts Schema» wollen sie sich nicht verordnen lassen. Sie fühle sich «mittendrin» in der Partei verankert, sagte die 57-jährige Seiler Graf.
Es sei klar, dass man sich im Laufe des Lebens verändere. Das sei innerhalb der SP aber auch möglich. «Es ist keine Schwäche, dass wir Positionen ausfechten.» Wichtig sei, dass man kompromissfähig bleibe. Sie stammt aus bürgerlichem Umfeld in Kloten und «stehe hinter der Armee». Dies werde in der SP akzeptiert, betonte sie.
Für Seiler Graf ist es bereits der zweite Anlauf in den Regierungsrat. Vor vier Jahren versuchte sie es bereits einmal, scheiterte jedoch.
Differenzen mit der SP
Der langjährige Winterthurer Sozialvorsteher Galladé ist seit 35 Jahren Parteimitglied. Als Basismitglied und als Teenager habe er natürlich anders funktioniert als heute in seiner Funktion als Stadtrat mit 1600 Mitarbeitenden.
«Wenn ich das Gefühl habe, eine Haltung kollidiert mit der Partei, gehe ich frühzeitig auf sie zu.» Grundsätzlich solle man sich aber eher über das Einigende definieren als über das Trennende.
Differenzen mit der Partei hatte der 51-jährige Galladé aber durchaus auch schon. «Das letzte Mal am vergangenen Donnerstag in Schwamendingen.» An dieser Versammlung untersagte die Partei dem langjährigen Ständerat Daniel Jositsch eine erneute Kandidatur als SP-Mitglied.
Keinen Groll gegenüber Mario Fehr
Mit dem zweiten prominenten Partei-Austritt, Mario Fehr, könnten beide Kandidierenden gut zusammenarbeiten, wie Seiler Graf und Galladé betonten. Es gebe keinen Groll, sagte Seiler Graf. Sie war damals, als Fehr mit der SP brach, Zürcher Co-Parteipräsidentin. Galladé hat in seiner Funktion als Sicherheitsvorsteher immer wieder mit dem mittlerweile parteilosen Sicherheitsdirektor zu tun.
Ob diese Zusammenarbeit wirklich stattfinden wird, ist offen. Mario Fehr ist das einzige Regierungsratsmitglied, das seine Pläne noch nicht publik gemacht hat. Je nach dem, wie er sich entscheidet, gibt es bei den Wahlen 2027 vier oder gar fünf Vakanzen. Die Zürcher Regierung steht auf jeden Fall vor einer grossen Erneuerung.
Die offizielle Nominierungsversammlung der SP-Parteibasis findet im Juli statt. Weil es nur zwei Kandidierende für zwei angestrebte Sitze gibt, dürfte die Nomination aber Formsache sein.