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AKTIEN FRANKFURT/Sorgen um Spaniens Banken und Euro lassen Kurse tief fallen

FRANKFURT (awp international) – Belastet von Sorgen um das spanische Bankensystem und um einen weiter schwächelnden Euro hat der deutsche Aktienmarkt am Dienstag kräftige Verluste verbucht. Der Dax brach 2,73 Prozent auf 5.647,31 Punkte ein und erreichte damit seinen tiefsten Stand seit Ende Februar. Der MDax sank um 3,99 Prozent auf 7.453,68 Punkte. Der TecDax verlor 3,87 Prozent auf 695,62 Punkte. Insgesamt waren im HDAX mit allen Werten aus diesen führenden Indizes lediglich zwei Papiere im Plus, der Dax-Wert von Fresenius Medical Care und der Tec-Dax-Titel von Carl Zeiss Meditec.
«Es ist ein Mix aus negativen Nachrichten, der die Anleger verunsichert», sagte Fondsmanager Thorsten Winkler von Veritas Investment Trust. Bewegt würden die Kurse unter anderem von der Zuspitzung der Situation in Korea und der Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass das spanische Bankensystem reformiert werden müsse. Negativ wirkte auch, dass der Euro gegenüber dem Yen auf den tiefsten Stand seit November 2001 gefallen war. Ein Euro war zuletzt 109,550 Yen wert. Dass auch ein unerwartet kräftiger Schub bei den Auftragseingängen der Industrie in der Eurozone nicht für positive Impulse sorgt, ist nach Meinung Winklers ein Zeichen dafür, dass der Markt «angeschossen» sei. «Positive Nachrichten zählen gar nicht, negative Nachrichten werden überbewertet», sagte der Fondsmanager.
STAHLWERTE STARK UNTER DRUCK
Stark unter Druck standen Stahlwerte: ThyssenKrupp und Salzgitter sanken jeweils um mehr als 5 Prozent, für Klöckner & Co (KlöCo) ging es sogar um 6,40 Prozent nach unten. KlöCo-Vorstandschef Gisbert Rühl hatte in einem Interview mit der «Financial Times Deutschland» von Überkapazitäten am Markt gesprochen, weshalb er in den kommenden Monaten sinkende Stahlpreise erwarte. Entscheidend für den Markt sei, ob die Hersteller in den kommenden Monaten wieder Kapazitäten stilllegten, da ansonsten die Margen unter Druck gerieten. Analysten von Cheuvreux prognostizierten in einer Branchenstudie, dass die europäischen Stahlpreise im dritten Quartal dieses Jahres um 15 bis 20 Prozent nachgeben werden. Das führe dazu, dass an dem negativen Ausblick für die Branche festgehalten werde. Hinzu kam, dass die UBS die Kursziele für alle drei Stahlwerte senkte.
Grösster Verlierer im Dax waren Papiere von Infineon . Sie büssten 8,66 Prozent auf 4,241 Euro ein. JPMorgan-Analyst Sandeep Deshpande senkte seine Einstufung von «Overweight» auf «Neutral» und kürzte das Kursziel von 6,50 auf 5,50 Euro. Er geht davon aus, dass die Marge im September-Quartal ihren Höhepunkt erreichen wird und sieht insgesamt für die Halbleiterbranche die Gefahr einer Abschwächung der Auftragslage.
FMC GEGEN DEN TREND IM PLUS
Gegen den Trend im Plus notierten Papiere von Fresenius Medical Care , sie stiegen um 0,63 Prozent auf 39,045 Euro. Der Dialysespezialist hatte sich mit der thailändischen Klinik Bumrungrad auf die Übernahme von Asia Renal Care geeinigt, einem führenden Dialyseanbieter im asiatisch-pazifischen Raum. Der Zukauf werde bereits im ersten Jahr einen positiven Ergebnisbeitrag liefern, hiess es. Börsianer lobten diesen Schritt als strategisch sinnvoll und verwiesen zudem auf den defensiven Charakter der FMC-Aktie. Mit einem Verlust von nur 0,83 Prozent auf 41,740 Euro entwickelten sich zudem Beiersdorf-Aktien überdurchschnittlich. Analystin Iris Schäfer von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) nannte als Gründe den defensiven Charakter des Wertes sowie die Kursziele, die sich im Bereich von 45 bis 47 Euro bewegten.
AIXTRON VON JPMORGAN-STUDIE BELASTET – SCHLUSSLICHT IM TECDAX
Aixtron notierten indes mit minus 10,95 Prozent auf 20,090 Euro am Ende des TecDax. Belastend wirkte eine Studie von JPMorgan, in der die Einschätzung der Papiere des auf Leuchtdioden-Anlagen spezialisierten Maschinenbauers von «Overweight» auf «Neutral» und das Kursziel von 30 auf 20 Euro gesenkt wurden.
Papiere von Carl Zeiss Meditec stemmten sich indes gegen den schwachen Markt und waren mit einem Plus von 0,63 Prozent auf 11,095 Euro der beste Wert im TecDax. HSBC-Analyst Jan Keppeler nahm die Bewertung der Aktien des auf Augenheilkunde spezialisierten Medizintechnik-Konzerns mit «Neutral» und einem Kursziel von 12,50 Euro auf. Das Unternehmen verfüge über ein stabiles Geschäftsmodell und die Aussichten für die Margenentwicklung seien ebenfalls positiv.
SOLARWERTE SCHWACH
Überdurchschnittliche Verluste verbuchten Papiere des Solarunternehmens Q-Cells mit einem Abschlag von 5,12 Prozent auf 4,690 Euro. Hier wirkte ebenfalls eine Studie belastend: UBS senkte das Kursziel für die Anteilsscheine deutlich von 7,40 auf 4,50 Euro. Analyst Patrick Hummel erwartet, dass Q-Cells weitere Marktanteile verlieren wird. Zu schaffen machten dem Unternehmen insbesondere der zunehmende Preisdruck in der Branche. Für andere Solarwerte ging es ähnlich deutlich runter: SMA Solar und Phoenix Solar verloren ebenfalls mehr als 5 Prozent.
chs/ajx

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