Anklage fordert Haftstrafe für Böhse-Onkelz-Sänger
(Keystone-SDA) Der Sänger der deutschen Rockband Böhse Onkelz, Kevin Russell, muss zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Das Landgericht Frankfurt verurteilte Russell am Montag wegen gefährlicher Körperverletzung, gefährlicher Strassenverkehrsgefährdung und Unfallflucht.
«Die einzige Ursache für diesen Unfall war fahrerisches Versagen dieses Fahrers» sagte der Richter in der Urteilsbegründung. Russells Versagen sei nur mit Drogen und Medikamenten erklärlich. Der Fahrausweis wurde ihm für vier Jahre entzogen. Der 46 Jahre alte Angeklagte nahm das Urteil gefasst auf. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und vier Monate Haft gefordert.
Russell hatte unter Drogeneinfluss am Silvesterabend 2009 mit Tempo 230 auf der Autobahn von Wiesbaden nach Frankfurt einen Unfall verursacht. Dabei wurden zwei junge Männer lebensgefährlich verletzt.
Kumpel nahm Tat auf sich
Statt zu helfen, vergewisserte er sich kurz, dass Helfer am Ort waren und flüchtete dann über die Felder. Als Fahrer gab er später einen Kumpel an.
Dieser hatte sich auch selbst im Beisein von Russells Anwalt bei der Polizei der Tat bezichtigt. Allerdings überführten genetische Spuren am Airbag des Sportwagens, der den Unfall verursacht hatte, Russell als Fahrer.
Rechtsradikaler Hardrock
Die 1979 gegründete Band war eine der umstrittensten im deutschsprachigen Raum. Mit ihrem derben Rock füllten die Böhsen Onkelz die grössten Hallen. Mit ihren rechtsradikalen Texten sprachen sie lange Zeit vor allem ein Skinhead-Publikum an.
Drogen und der «Rechtsradikalen-Scheiss», wie es Texter und Bassist Stephan Weidner einmal formulierte, begleiteten die Hardrock-Band lange Zeit.
Bevor sich die Gruppe – die kaum weniger erfolgreich war als die Ärzte, Rammstein oder die Toten Hosen – 2005 auflöste, sorgte sie 25 Jahre und 18 Alben lang für Schlagzeilen. Mit Songs wie «Auf gute Freunde» und ihren Alben landete die Band mehrmals auf den vorderen Plätzen der Charts.
Boykott der Medien und Plattenläden
In den ersten Jahren gehörten die Böhsen Onkelz zur Skinhead-Szene und erregten Anstoss mit Liedern wie «Türken raus». Das Album «Der nette Mann» kam 1986 auf den Index, unter anderem wegen gewaltverherrlichender und pornografischer Tendenzen.
Es gab Boykotte gegen die Band in den Medien und in Plattenläden. Später versuchten sich die Böhsen Onkelz von der Skinhead-Szene zu distanzieren, den Geruch als «Neo-Nazi-Zündler» wurden sie aber nicht los.
So gewann 2001 die Berliner Tageszeitung («taz») einen Prozess gegen die Band und durfte diese damit auch weiter als «berüchtigte, rechtsradikale Band» bezeichnen.