12,5 Milliarden Franken mehr Lohn im Jahr 2001
Die Löhne werden nächstes Jahr erhöht wie seit zehn Jahren nicht mehr. Bei den Gewerkschaften herrscht deswegen aber keine Siegesstimmung. Die Arbeitgeber sehen den Nachholbedarf der 90er Jahre erfüllt und kündigen wieder eine zurückhaltendere Praxis an.
«12,5 Mrd. mehr Lohn im Vergleich zum Vorjahr ist die markanteste Steigerung seit Beginn der neunziger Jahre», sagte Werner Aeberhardt vom Staatsekretariat für Wirtschaft (seco). Rund drei Prozent beträgt die Zuwachsrate bei den Bruttolöhnen für das Jahr 2001. Sogar fünf Prozent mehr verfügbares Einkommen haben gemäss seco die privaten Haushalte nach Steuerabzügen und übrigen Kosten.
Gewerkschaften: Kein Grund zum Jubeln
Für den Präsidenten des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB), Paul Rechsteiner, ist dies mehr eine Zahlenspielerei als ein Grund zum Jubeln. «Den Teuerungsausgleich konnten die Gewerkschaften in dieser Lohnrunde weitgehend durchsetzen, nachdem dieser von den Arbeitgebern in den neunziger Jahren noch verweigert wurde.» Damit sei erst ein Zwischenziel erreicht. Weil die Arbeitgeber an individuellen Lohnerhöhungen nach dem Leistungsprinzip festhielten, herrsche eine grosse Intransparenz.
Grosser Unterschied zwischen den Kantonen
Vom Aufholen gewisser Lohnrückstände aus den 90er Jahren spricht Arbeitgeber-Direktor Peter Hasler nach der diesjährigen Lohnrunde. «Vor allem im öffentlichen Sektor bestand ein Nachholbedarf», sagte er. Bei den Kantonen zeichnet sich ein sehr unterschiedliches Ergebnis der Anpassungen ab.
An der Spitze steht der Kanton Zug mit einer Teuerungszulage von 6,9 Prozent, womit auch die Nullrunden der vergangenen vier Jahre ausgeglichen werden. Mit einer Lohnerhöhung von 1,2 Prozent wie im Kanton Bern wird indes nicht einmal der volle Teuerungsausgleich bezahlt.
Berechnungsfehler des BFS hat Konsequenzen
Trotz uneinheitlichem Verlauf der Lohnrunde sieht SGB-Präsident Rechsteiner auch Lichtblicke. In der Baubranche seien gute Ergebnisse erzielt worden. Auch die Kampagne gegen Löhne unter 3’000 Franken habe zumindest in der Öffentlichkeit einiges bewegt.
Dass der kapitale Fehler des Bundesamtes für Statistik (BFS) bei der Berechnung der Jahresteuerung Verhandlungsvorteile schuf, wollte Rechsteiner nicht gelten lassen. Für Arbeitgeber-Direktor Hasler ist dagegen klar, dass dies für die nächste Lohnrunde Konsequenzen haben wird. «Der Indexfehler hat zu hohe Lohnauszahlungen verursacht. Nächstes Jahr gibt es weniger», sagte Hasler. Ausserdem werde die weitere Teuerung einen Ausgleich schaffen. Für die Privatwirtschaft sei der Fehler aber keine Katastrophe. «Die kann ihre drei Prozent Lohnerhöhungen gut verkraften», sagte Hasler.
swissinfo und Agenturen
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