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Altlast Chemiemüll

Nach der Deponie in Bonfol (JU) rücken nun die Deponien in der Region Basel in den Brennpunkt. Keystone

Die Basler Chemie hat im Dreiländereck zwischen 1942 und 1960 Chemieabfälle in verschiedenen Deponien und Gruben abgelagert. Um diese Deponien in der Region Basel ist derzeit einiges in Bewegung. Besonders die Umwelt-Organisation Greenpeace macht Druck.

Grosse Aufregung herrschte in den letzten Wochen in der Region Basel: Die Chemie machte Probebohrungen bei alten Deponien im grenznahen Elsass (F). Dabei wurden unter anderem giftige Stoffe in einer Quelle in Neuwiller (F) entdeckt. Die Umwelt-Organisation Greenpeace zweifelte Untersuchungs-Resultate über die Grundwasser-Belastung an und legte eine abweichende Analyse vor.

Mit weniger Lärm sind in diesen Tagen in Muttenz BL Untersuchungen bei den drei ehemaligen Deponien Feldreben, Margelacker und Rothausstrasse angelaufen. Dabei gehe es um Abklärungen bezüglich der Geologie und Hydrogeologie wie auch um eine Analyse des Grund-Wassers, sagt Alberto Isenburg, Leiter des Baselbieter Amts für Umweltschutz und Energie (AUE).

Turnfest als Auslöser

Auslöser für die jüngsten Erkundungen war die Absicht der Gemeinde Muttenz, den Sportplatz Margelacker auf der ehemaligen Deponie für das Eidgenössische Turnfest 2002 einzusetzen, wie Gemeinderat Andreas Meyer sagt. Wegen einer Bodensenkung erwies sich allerdings die Durchführung eines Wettbewerbs als nicht möglich.

Erste Abklärungen ergaben, dass vor einer Behebung des Schadens weitere Studien über die darunter ruhende Deponie notwendig sind. Gemeinde und Kanton haben nun den Auftrag für Untersuchungen bei allen drei bekannten Muttenzer Deponien vergeben.

Die Resultate der Studie sollen Ende November vorliegen. Ob es einen sofortigen Handlungsbedarf gebe, wird nicht zuletzt davon abhängen, ob kontaminiertes Grundwasser gefunden wird.

Deutschland will Gespräche

Weniger weit als im Baselbiet ist man in Deutschland, wo in Grenznähe verschiedene Deponien mit Basler Altlasten existieren. Nach der Sommerpause sollen aber neue Gespräche der Behörden mit der Basler Chemie beginnen, sagt Helmut Fischer vom Landratsamt Lörrach. Er hofft, dass dabei mehr herauskommen wird als reine Absichts-Erklärungen.

«Natürlich geht es schnell um finanzielle Forderungen zur Abarbeitung der Altlast», sagt Fischer. Das Thema Altlasten ist nämlich auch in seinem Landkreis immanent: So muss etwa die Gemeinde Grenzach-Wyhlen seit Jahren ihr Trinkwasser aufbereiten. Auch in anderen Bereichen braucht es bestimmte Pumpen-Strategien, um nicht Wasser aus einer Altlast zu fördern.

Keine Forderungen nach Total-Sanierung

Die Forderung nach einer Total-Sanierung der Deponien – nach dem Vorbild von Bonfol im Kanton Jura – ist allerdings nicht etwas, womit die deutschen Behörden ins Gespräch gehen werden. «Bei uns ist so etwas noch gar nie gemacht worden», sagt Fischer. Es gebe andere Sanierungs-Techniken.

Auch im Baselbiet ist weder von der Gemeinde noch vom Kanton die Forderung nach einer Total-Sanierung erhoben worden. Die Forderung, alles auszugraben und zu verbrennen, sei nicht immer richtig, meint Isenburg vom AUE. Sanieren könne auch bedeuten, eine Deponie abzudichten oder – wenn nichts auslaufe – einfach kontinuierlich zu überwachen.

Die Gesamtmenge der in der Region Basel abgelagerten Chemieabfälle haben Novartis und Ciba SC 1999 mit rund 30’000 Tonnen angegeben. Damit liegen die Altlasten deutlich unter den Ablagerungen in den Sondermüll-Deponien in Bonfol JU (114’000 Tonnen) oder Kölliken AG (rund 500’000 Tonnen).

swissinfo und Agenturen

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