BFU- Chef plädiert für interkontinentalen Flughafen in Payerne
Der Chef des Büros für Flugunfalluntersuchung (BFU), Jean Overney, setzt sich für einen interkontinentalen Flughafen in Payerne (VD) ein. Da die Gegend um Payerne nur dünn besiedelt sei, wäre dies eine gute und sichere Lösung, ist Overney überzeugt.
In einem Interview mit dem «SonntagsBlick» äusserte sich Overney zugleich kritisch zu Flugbetrieb und Behörden. Bei der enormen Zunahme des Flugverkehrs nehme tendenziell auch das Risiko von Unfällen zu.
Alle Beteiligten setzten alles daran, durch ständige Erhöhung des Sicherheitsstandards das Risiko eines Absturzes so gering wie möglich zu halten. Wenn ein Flughafen wie Zürich- Kloten direkt neben der Stadt liege, bestehe nun aber einmal ein höheres Gefahrenpotential, erklärte Overney.
Eine Lösung für die Schweiz sieht der Flugunfallexperte darin, aus den Flughäfen Zürich, Basel und Genf «einen einzigen Hub» zu machen, und zwar am Standort des Militärflugplatzes Payerne.
Dieser könne zu einem leistungsfähigen, interkontinentalen Flughafen mit drei Parallelpisten umgebaut werden. Das Gelände sei bestens geeignet und das Gebiet wenig besiedelt. Die Flughäfen könnten dann mit einer Schnellbahn verbunden werden.
Angesprochen auf die Arbeitsplätze des Zürcher Flughafens stellte Overney fest: «Es braucht Überzeungsarbeit. Bald werden auch die Gegner einsehen, dass Payerne eine gute Lösung ist.»
Selbstkritische Äusserungen zu Flugbetrieb und Behörden
Der «SonntagsBlick» veröffentlichte auf seiner Internetseite Interview-Passagen, die das UVEK nachträglich nicht autorisiert hatte und kritisierte, Experte Overney sei zensiert worden.
Es ging dabei um die Frage nach der Verantwortbarkeit, wenn etwa Crossair- Piloten sechs Flüge pro Tag absolvierten. Overney bezeichnete dies als «absolutes Maximum» und ergänzte, dass seiner Meinung nach bereits fünf Flüge an der Grenze des Verantwortbaren seien.
Der BFU-Chef wurde ausserdem auf die Unabhängigkeit seiner Behörde und einen «Filz» von Flughäfen, Fluggesellschaften und Bundesamt für Zivilluftfahrt angesprochen. Overney stellte dabei fest, dass dieses Thema regelmässig besprochen werde.
«Ich frage mich manchmal auch, warum gerade wieder die Swissair mit uns am selben Tisch sitzt, wenn wir einen Flugunfall untersuchen. Doch die Schweiz ist klein und die Experten sind rar. Das heisst aber nicht, dass wir uns nur auf ihre Aussagen abstützen. Wir holen uns unsere Informationen auch aus dem Ausland. Wir arbeiten international gut zusammen», sagte Overney.
Es sei üblich, dass ein Text «optimiert» werde, sagte Claudine Godat Saladin, Sprecherin im Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) auf Anfrage. Es gebe immer mehrere mögliche Formulierungen, man habe diese gewählt, um Missverständnisse zu vermeiden.
Das UVEK legte in den Korrekturen Wert auf die Feststellung, dass es klare Vorschriften über die maximal zulässigen Flugdienstzeiten gebe, die eingehalten würden. Von einem «Filz» könne im weiteren nicht die Rede sein.
swissinfo und Agenturen
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