Börse erholt sich nach ersten Tauchern
Die wichtigen US-amerikanischen Börsen bleiben am Mittwoch geschlossen. Zahlreiche europäische Börsen haben zum Gedenken an die Opfer für den Nachmittag eine Schweigeminute angekündigt. Die Schweizer Börse SWX und die virt-x haben frühe Verluste wettgemacht. Nach einem Kursrutsch in den ersten Handelsminuten von über 3% erholte sich der Aktienhandel am Mittwoch wieder. Allerdings herrscht in der gesamten Finanzwelt Verunsicherung.
Rund eine halbe Stunde nach Handelseröffnung drehte der Swiss Market Index (SMI) wieder ins Plus und notierte mit 5754,5 Punkten um 1,13% über dem Vortages-Schluss. Am Dienstag hatte das Schweizer Börsenbarometer über 7% verloren.
Auch der Xetra Dax Index in Deutschland erholte sich von frühen Verlusten. Lag das Aktienbarometer am Mittwoch im frühen Handel noch zeitweise mit über 2% im Minus, so notierte der Index eine halbe Stunde nach Börsenbeginn mit 4288,53 Punkten um 0,35% höher als am Dienstagabend.
An verschiedenen Börsen wurde der Handel mit US-Aktien vorläufig ausetzt, so auch in der Schweiz.
Tokioter Börse fällt auf den tiefsten Stand seit mehr als 17 Jahren
Nach panikartigen Verkäufen ist die Börse in Tokio auf den tiefsten Stand seit mehr als 17 Jahren gefallen. Der Nikkei-Index in Tokio verlor im Tagesverlauf 6,6% oder 682,85 Punkte und schloss bei 9610,10 Zählern.
Die Wall Street bleibt aufgrund der Terroranschläge geschlossen.
SNB und EZB bieten kurzfristige Liquidität an
Mit ihrem Angebot will die Schweizer Nationalbank (SNB) die Nachfrage nach schnellem Geld stillen und die Stabilität des Finanzsystem sicherstellen. Im täglichen Auktionsverfahren sei kurzfristige Liquidität grosszügig zugeteilt worden, sagte ein SNB-Sprecher.
Auch die Europäische Zentralbank bietet der Kreditwirtschaft schnelles Geld an. Am Mittwoch könnten sich die Institute ausserhalb der sonstigen Zuteilungsoperationen für einen festen Zins von 4,25% mit zusätzlichem Zentralbankgeld eindecken.
Die EZB stehe bereit, auch künftig zur Stabilisierung des Finanzsystems solche Massnahmen zu unternehmen. Sie werde ausreichend Liquidität in den Märkten sicherstellen, hiess es.
Finanzmärkte verunsichert
Es gibt Befürchtungen, dass die globale Instabilität wächst und die Wirtschaft in eine Rezession abgleiten könnten.
Einige Ökonomen zeichnen ein düsteres Bild: Der Dollar breche ein, während der Euro und vor allem der Franken zulegen, die Ölpreise steigen und die Zinsen ins Bodenlose fallen würden. Die seit Monaten schlingernde US-Konjunktur könnte ihrer Ansicht nach endgültig einbrechen und die globale Wirtschaft mit sich reissen.
«Das war ein Schlag für das Vertrauen in das Finanzsystem und in die kapitalistische Welt», sagte etwa Alan Beaney, Fondsmanager beim US-Investmenthaus Principle Investment Management, gegenüber der Finanzagentur Bloomberg. Bei Zurich Scudder Investments hiess es, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen könnte.
Joachim Schütz von der Credit Suisse First Boston (CSFB) teilt diese Meinung nicht. «Das Weltfinanzsystem steht nicht vor einem Crash», sagte der Ökonom am Mittwoch auf sda-Anfrage. Kurzfristig seien die Auswirkungen zwar verheerend, mittelfristig dürfte sich die Lage aber wieder stabilisieren.
Den Einbruch an den europäischen Börse führt Schütz vor allem auf psychologische Effekte zurück. Die Anschläge auf die Symbole der Finanzwelt hätten die Anleger schockiert und verunsichert: «Wer in den letzten Tagen auf eine Erholung spekuliert hat, steigt jetzt wieder aus. Diese Abwärtstendenz dürfte noch eine Zeit andauern, dann sei eine Gegenreaktion zu erwarten.»
Spekulationen über Zinssenkungen
Die Terroranschläge in den USA haben in der Londoner City zu Spekulationen über die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und eine neue Runde von Zinssenkungen geführt. «Die Auswirkungen sind potenziell sehr ernst», sagte Philip Shaw,
Chefökonom der Börsenmaklerfirma Investec.
swissinfo und Agenturen
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