Bundesrat entscheidet sich für NEAT-Talvariante
Die NEAT-Zufahrt im Kanton Uri soll über die Reussebene geführt werden. Der Bundesrat hat am Montag (19.06.) der Talvariante den Vorzug gegeben. Der Kanton hatte eine Tunnelführung im Berg vorgeschlagen und zeigte sich entsprechend enttäuscht.
Der Kanton Uri muss in der Reussebene neben der Autobahn und der SBB-Stammlinie die NEAT in Kauf nehmen. Der Bundesrat lehnt die vom Kanton zur Schonung von Mensch und Umwelt vorgeschlagene Verlegung der Schnellbahn in den Berg ab. Aber auf den umstrittenen Viadukt soll verzichtet werden.
Der Entscheid für die Talvariante erfolgte aufgrund des Bereinigungsverfahrens des Bundesamtes für Raumplanung. Dieses war eingeleitet worden, weil sich der Kanton Uri einerseits sowie die SBB, das Bundesamt für Verkehr und die Alptransit AG andererseits nicht darauf hatten einigen können, wie der neue Gotthard-Basistunnel bei Altdorf/Erstfeld an die SBB-Stammstrecke anzuschliessen ist.
Der Sachplanentscheid kann von Uri nicht angefochten werden. Der Entscheid ist aber kein Bauentscheid für die Strecke im Tal selber, wie Metzler betonte. Deren Realisierung wird erst in 20 bis 30 Jahren aktuell. Die verbleibende Zeit soll dazu genutzt werden, um die Linienführung im Tal zu verbessern. Verzichtet werden soll laut Leuenberger vor allem auf den umstrittenen Viadukt.
Gesamtschweizerische Interessen höher gewichtet
Der Bundesrat hat die gesamtschweizerischen Interessen höher bewertet als jene des Kantons, wie Metzler den Entscheid begründete. Die Leistungsfähigkeit der neuen Nord-Süd-Verbindung dürfe nicht durch den Einbau eines Nadelöhrs beeinträchtigt werden. Vor dem Tunnelportal selber ist nämlich der Bau eines 1,5 Kilometer langen Überholbahnhofs vorgesehen, wo schnelle Personenzüge die langsameren Güterzüge passieren können. Eine unterirdische Überholanlage sei aus Sicherheitsgründen nicht möglich.
Die Talvariante hat laut Leuenberger auch Vorteile. Bei der Bergvariante wäre Altdorf nicht mehr ans europäische Hochgeschwindigkeitsnetz angebunden, sagte er und erinnerte daran, dass andere Regionen der Schweiz vehement für diesen wirtschaftlichen Vorteil gekämpft hätten.
Trotz des Entscheids braucht Uri die Hoffnung auf eine NEAT im Berg nicht ganz aufzugeben. Nach wie vor in der Diskussion bleibt die Option “Bergvariante lang». Dabei würde die NEAT noch vor Flüelen im Tunnel verschwinden und im Berg zum Portal des Basistunnels geführt. Dieser würde dadurch auf über 70 Kilometer verlängert. Aus heutiger Sicht sei diese Lösung nicht realistisch, sie könnte es aber in 20 bis 30 Jahren sein, hiess es.
Stadler: Verletzung der Souveränität Uris
Eine Verletzung der Souveränität Uris sieht auch der Urner Ständerat Hansruedi Stadler. Man stelle sich vor, dass durch das Hauptsiedlungsgebiet von Zürich eine solch offene Linienführung festgelegt würde, schreibt er in einem Communiqué. Dies sei unvorstellbar. Aber Uri mute man dies zu.
Uri habe den bilateralen Verträgen und damit einem für den Kanton sehr schlechten Verkehrsdossier zugestimmt, so Stadler weiter. Der Kanton habe damit ein Zeichen gesetzt, dass er bereit sei, einen Beitrag an gesamtschweizerische Herausforderungen zu leisten.
Umgekehrt habe Uri aber auch erwartet, dass es in der Schweiz,üblich sei, Lösungen mit und nicht gegen eine Region zu finden. Hier habe man sich jedoch getäuscht.
swissinfo und Agenturen
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