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Cablecom streicht 250 bis 300 Stellen

Wohin geht die Reise? Keystone

Die Cablecom, der mit Abstand grösste Betreiber von Kabelfernseh-Netzen in der Schweiz, streicht in den kommenden Monaten 250 bis 300 der insgesamt 1'900 Stellen. Damit fallen 15% der Belegschaft der laufenden Restrukturierung zum Opfer.

«Wir werden alles unternehmen, um die Zahl der Entlassungen auf ein Minimum zu beschränken und Entlassungen sozialverträglich vorzunehmen», versicherte Rudolf Fischer, operativer Chef der Cablecom (COO). Ein Sozialplan sei in Vorbereitung.

Gewerkschaften skeptisch

Er sieht vorzeitige Pensionierungen, Seminare für Outplacement, individuelle Beratungen für Härtefälle sowie eine Job-Börse vor. Die Belegschaft und die Behörden sind über den Stellenabbau und die Massnahmen informiert worden.

Seit dem letzten Jahr unterstehe die Cablecom nicht mehr dem GAV, wie Zentralsekretär Giorgio Pardini sagte. Es sei daher offen, ob es zu Verhandlungen über einen Sozialplan komme oder ob die Cablecom nur einen Vorschlag unterbreiten werde.

Die Cablecom gehört seit Dezember 1999 zum hoch verschuldeten britisch-amerikanischen Telekom-Konzern NTL. Noch am 18. September hatte Bruno Claude von NTL Europe versichert, die Restrukturierung der Cablecom werde zu keinem Abbau von Arbeitsplätzen führen.

Alle Geschäftsbereiche tangiert

Im Zuge einer strategischen Neuausrichtung hatte die Cablecom alle Geschäftsbereiche einer Analyse unterzogen. Das Ziel ist es, die Kosten zu senken, Synergien zu nutzen und Doppelspurigkeiten zu beseitigen. Alle Geschäftsbereiche sind vom Umbau tangiert.

Vom Stellenabbau besonders betroffen ist der Kanton Zürich, wo rund die Hälfte des Cablecom-Personals arbeitet und das Unternehmen seinen Sitz hat. In der Westschweiz dürften rund 50 Stellen gestrichen werden, sagte Cablecom-Sprecher Jacques Filippini.

Braut putzt sich heraus

Nach Ansicht Pardinis dürfte der Umbau vor allem einen Zweck haben: die Braut Cablecom für einen Käufer herauszuputzen. Der Favorit für eine solche Übernahme sei ohne Zweifel die Swisscom.

Bis zur Übernahme der Cablecom durch NTL zum stolzen Preis von 5,8 Mrd. Franken war die Swisscom mit einem Drittel beteiligt gewesen. Nicht zuletzt auf Druck der Wettbewerbs-Kommission hatte sich der ehemalige Monopolist von der Beteiligung trennen müssen.

Swisscom soll einsteigen

Nun soll die Schraube wieder zurückgedreht werden. So forderte SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer am 24. September in einem Postulat den Bundesrat auf, er solle eine Übernahme der Cablecom durch die Swisscom prüfen.

Die Swisscom selbst, die keinen Kommentar zu einem solchen Szenario abgibt, hat laut Pardini jedoch ein Problem. Sie müsste ihr Monopol auf der letzten Meile (Hausanschlüsse) bei einem Kauf der Cablecom aus wettbewerbsrechtlichen Gründen wohl aufgeben.

Fällt die letzte Meile?

Bislang verteidigte die Swisscom ihr Monopol mit dem Hinweis, sie würde bei einer Entbündelung gegenüber Kabelnetzbetreibern massiv benachteiligt. Sollte die Swisscom die Cablecom mit ihren 1,5 Millionen Kunden übernehmen, fiele dieses Argument dahin.

Pardini hält es für realistisch, dass die Swisscom einer Entbündelung auf der letzten Meile zustimmt und im Gegenzug die Cablecom übernimmt. Früher oder später, so der Gewerkschafter, werde dieses Monopol auf Grund des Marktdrucks ohnehin fallen.

Ohne finanzkräftigen Partner werde sich die Cablecom so oder so kaum über Wasser halten können. Kommt hinzu, dass der ehemalige Cablecom-Chef Ueli Dietiker seit wenigen Wochen für die Swisscom tätig ist. Ein Mann also, der die Cablecom bestens kennt.

swissinfo und Agenturen

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