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Coop steigt mit Coopernic in den Preisring

Michel-Edouard Leclerc von Leclerc (links) and Hansueli Loosli von Coop Schweiz. Keystone

Der Schweizer Detailhändler Coop hat mit vier europäischen Grossverteilern eine Einkaufs-Allianz gegründet. Ziel: Bis zu 10% billigere Markenartikel.

Gegenwärtig muss das Schweizer Unternehmen bis zu einem Drittel teurer einkaufen als Konkurrenten in den Nachbarländern.

Im Verkauf in der Schweiz ist Coop als Nummer Zwei nach der Migros gross, im globalen und europäischen Einkauf aber sehr klein. Dies bekommt Coop vor allem bei den Markenartikeln zu spüren. «Die internationalen Markenhersteller schöpfen die höhere Kaufkraft in der Schweiz ab», hat Coop-Konzernchef Hansueli Loosli am Mittwoch in Brüssel erklärt. Coop muss demnach im Einkauf bis zu 35 Prozent mehr bezahlen als Grossverteiler in den Nachbarländern.

Diesen Nachteil will Coop nun mit der europäischen Allianz Coopernic bekämpfen, die am Mittwoch in Brüssel vorgestellt wurde. Die Partner von Coop sind vier Grossverteiler, die in ihren Stammländern ebenfalls den zweiten oder dritten Rang im Verkauf einnehmen: Die deutsche Rewe, Leclerc aus Frankreich, die italienische Conad und die kleinere belgische Colruyt.

Nr. 2 in Europa

Zusammen erreichen die fünf Grossverteiler einen Umsatz von 150 Mrd. Franken. Ihre Allianz Coopernic hat den Geschäftssitz in Brüssel und wird in Europa die zweitstärkste Einkaufsgruppe sein, hinter der European Marketing Distribution (EMD), aber vor Carrefour.

Coop-Konzernchef Loosli erhofft sich von der Einkaufsmacht von Coopernic vor allem tiefere Preise für Markenartikel. Wie sich dies auf die Ladenpreise auswirken wird, wollte er nicht genau beziffern. «Ich bin überzeugt, dass es im Bereich Markenartikel über die nächste Zeit zwischen 5 bis 10 Prozent tiefere Preise geben wird», umschrieb er auf Anfrage die mögliche Bandbreite.

Nicht gleich lange Ellen

Vorsichtiger äusserte sich der Präsident der deutschen Rewe, Achim Egner: «Wir bilden uns nicht ein, dass wir zu fünft gegenüber den multinationalen Lieferanten sehr viel mehr erreichen als alleine.»

Deutsche Grossverteiler könnten heute die Markenartikel eben bereits sehr viel günstiger einkaufen als Coop, begründete Loosli die unterschiedlichen Erwartungen der Coopernic-Partner. Er erhofft sich zudem auch von der Kooperation der Partner bei ihren Eigenmarken günstigere Preise für die Kundschaft in der Schweiz.

Die Konkurrenz von Coopernic äusserte sich gegenüber der Nachrichtenagentur sda skeptisch. Unterschiedliche Vorschriften in der Schweiz und der EU verteuerten die Preise, betonten sowohl die Einkaufsallianz EMD wie auch die Migros.

Landwirtschaftsprodukte-Markt liberalisieren

Das Problem der bürokratischen Hürden ist Loosli bewusst. «Die Politik muss uns unterstützen», sagte er. So wünscht sich Loosli ein Freihandelsabkommen mit der EU im Landwirtschaftsbereich und die Einführung des «Cassis de Dijon»-Prinzips in der Schweiz: Ein Produkt, das in der EU zugelassen ist, würde gemäss diesem Prinzip auch in der Schweiz anerkannt.

Beide Vorschläge werden auf politischer Ebene diskutiert, beschlossen ist aber noch nichts. Dennoch gab sich Loosli überzeugt, dass die Veränderungen nicht aufzuhalten sind: «Die Schweiz wird keine teure Insel bleiben», sagte er.

swissinfo, Simon Thönen, Brüssel

Coop und Migros, die grössten Schweizer Detailhandels-Ketten, sind beide als Genossenschaften organisiert.

Coop ist bisher nur in der Schweiz tätig, während Migros in den vergangenen Jahren in einigen Nachbarländern in grenznahen Regionen Läden eröffnet hat, die aber nur einen kleinen Teil des Geschäfts ausmachen.

Migros hatte in der Vergangenheit in erster Linie auf eigene Produkte gesetzt. Der Verkauf von Marken-Produkten wurde erst in den letzten Jahren ausgebaut, dazu kam eine Billig-Linie in die Regale.

Coop hatte traditionell auf Marken-Produkte gesetzt. Der Verkauf von Produkten einer Eigenmarke sowie eine Billig-Linie ähnlich derjenigen von Migros wurde erst in der jüngeren Vergangenheit ausgebaut.

Coopernic: Einkaufs-Allianz der 5 Detailhandels-Ketten Rewe, Leclerc, Conad und Colruyt.
Sie verfügen insgesamt über 17’208 Verkaufs-Lokale.
Dazu kommen 7495 weitere unabhängige Verkaufs-Stellen.
Geschätzer Jahres-Umsatz: Rund 150 Mrd. Franken oder 10% des Marktes in Europa.
Vertreten in 17 Ländern.
Coop-Umsatz 2004: 13,1 Mrd. Franken.
Migros-Umsatz 2004: 17,25 Mrd. Franken.

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