Deiss zufrieden mit Gesprächen in Moskau
Wirtschaftsminister Joseph Deiss weilt offiziell in Moskau. Er bezeichnete die Gespräche mit seinem russischen Amtskollegen als konstruktiv.
Der Fall des ehemaligen russischen Atomministers Jewgeni Adamov kam laut Deiss nicht zur Sprache und belaste die Wirtschaftsbeziehungen nicht.
Nachdem Bundesrat Deiss die negativen Seiten des russischen Wirtschaftsbooms in Form von unendlich langen Staus in der russischen Hauptstadt selber zu spüren bekommen hatte, zeigte er sich äusserst zufrieden mit den Resultaten seines Besuchs: «Ein gutes, warmes und konstruktives Klima» habe beim Treffen mit dem russischen Minister für Wirtschaft, Handel und Entwicklung, German Gref, geherrscht.
Der Fall des ehemaligen russischen Atomministers, Jewgeni Adamow, den die Schweiz gegen den Willen Russlands an die USA ausliefern will, sei kein Thema gewesen, sagte Deiss am Donnerstagabend vor den Medien. Zumindest auf wirtschaftlicher Ebene sei das Verhältnis nicht belastet.
Das zeige sich auch darin, dass Gref sich statt der vereinbarten Stunde gleich knapp zwei Stunden Zeit genommen habe und auch auf Fragen aus dem Kreis der Delegation eingegangen sei.
Russland will Zusammenarbeit verstärken
Russland sei daran interessiert, die Zusammenarbeit mit der Schweiz zu intensivieren, fasste Deiss die Ergebnisse seiner Gespräche zusammen.
Gref habe angekündigt, gleich nach dem Beitritt Russlands zur Welthandels-Organisation (WTO) Verhandlungen über die Schaffung einer Freihandelszone mit den Ländern der Europäischen Freihandelszone (EFTA) aufzunehmen, der neben der Schweiz auch Liechtenstein, Norwegen und Island angehören.
Interessanter Markt für Schweizer Unternehmen
Während die klassischen Märkte der Schweizer Exporteure seit Jahren mit wirtschaftlichen Problemen kämpfen, boomt Russland seit 2000. Das Bruttoinlandprodukt wächst mit durchschnittlich mehr als 5% pro Jahr. Die hohen Ölpreise spülen Geld ins Land, die Einkommen steigen und die Menschen konsumieren immer mehr.
Ueli Forster, der Präsident des Wirtschaftsdachverbandes economiesuisse, der die fünzehnköpfige Wirtschafts-Delegation leitet, bestätigte das grosse Interesse der Schweizer Unternehmen. «Russland ist ein wichtiger Markt geworden», sagte er. «Das Potenzial ist noch immer gross.»
Das, obschon eine grosse Bürokratie, hohe Zölle und Korruption die Geschäftsleute vor grosse Probleme stellten. Zur Delegation gehören zudem Vertreter aus der Maschinen-, Uhren- und der chemischen Industrie sowie aus dem Banken- und Finanzdienstleistungssektor.
Russland will in die WTO
Im Zentrum der Gespräche mit Gref und einem Vizepräsidenten der russischen Nationalbank stand der von Russland angestrebte Beitritt zur WTO, wo zwischen der Schweiz und Russland noch immer nicht alle Fragen ausgeräumt sind.
So etwa bei der Möglichkeit für ausländische Banken, vollumfänglich auf dem russischen Markt tätig zu sein. Diskutiert wurde auch der mangelnde Schutz von Geistigem Eigentum. In Russland ist der Anteil an Fälschungen, von CDs über Medikamente bis zum Waschmittel noch immer riesig.
Ebenso ein Thema waren technische Handelshemmnisse etwa in Form von Vorschriften oder Auflagen.
Werben für die Schweiz
Am Freitag warb Deiss vor mehr als 200 russischen Wirtschafts-Vertretern bei einem schweizerisch-russischen Wirtschaftsforum für den Standort Schweiz. Russland könne von Schweizer Unternehmen profitieren, und dasselbe gelte auch umgekehrt.
Bei der unter anderen vom Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) und kantonalen Wirtschaftsfördern organisierten Veranstaltung ging es darum, russische Geschäftsleute über die Möglichkeiten zu informieren, in und mit der Schweiz Geschäfte zu machen.
swissinfo, Alexandra Stark in Moskau
Bundesrat Joseph Deiss weilte am 20. und 21. Oktober zu einem offiziellen Besuch in Russland. Er wurde von einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation aus der Schweiz begleitet.
Deiss traf am Donnerstag seinen Amtskollegen German Gref, den russischen Minister für Wirtschaft, Handel und Entwicklung, und einen Vize-Präsidenten der russischen Zentralbank.
Thema bei den Treffen waren der mögliche Ausbau der Handels- und Investitionsbeziehungen und der Beitritt Russlands zur WTO.
Am Freitag eröffnete Deiss ein schweizerisch-russisches Wirtschaftsforum, das russische Geschäftsleute informiert, wie sie mit der Schweiz Geschäfte machen können.
Im Jahr 2000 kaufte Russland in der Schweiz Waren und Dienstleistungen für 555 Mio. Franken, 2004 lagen die helvestischen Exporte schon bei 1,2 Mrd. Franken. Und die Tendenz ist weiter steigend.
Der letzte Russland-Besuch eines Wirtschaftsministers geht auf Pascal Couchepin im Jahr 2001 zurück.
Russland verzeichnete in den letzten Jahren dank seinen Öl- und Gasreserven ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von durchschnittlich 7%.
In Russland leben 144 Millionen Menschen.
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