Den Kiosken laufen die Kunden davon
Der Berner Handelskonzern Valora kämpft mit dem Kioskgeschäft. Der Gewinn hat sich in den ersten sechs Monaten halbiert, der Umsatz stagnierte.
Trotzdem hält die Unternehmensleitung am eingeschlagenen Kurs fest. Die Aktie büsste deutlich an Wert ein.
Das Halbjahresergebnis der Gruppe sei ganz klar unbefriedigend, sagte Valora-Konzernchef Peter Wüest am Dienstag vor den Medien. Kein Wunder: Der Konzern hat den Gewinn von 27,2 Mio. Franken auf 11,9 Mio. Franken mehr als halbiert.
Allein die gemessen am Umsatz grösste Sparte Valora Retail schrieb sechs Mio. Franken Betriebsverlust.
Die fehlenden Erträge liessen sich im zweiten Halbjahr nicht kompensieren, heisst es.
Schuld am schlechten Ergebnis sei das schwache Schweizer Kioskgeschäft. «Wir haben uns auf Windstärke fünf eingestellt und haben jetzt aber sieben», sagte Valora-Konzernchef Peter Wüest.
Gelitten hat die Gruppe, weil die Verkäufe von Sammelbildern nicht so florierten wie im Fussball-WM-Jahr 2006. Zudem waren die Einnahmen aus den Lotterien und Glücksspielen wider Erwarten eingebrochen.
Höhere Kosten für Milchprodukte schliesslich verteuerten die Snack- und Backwaren-Produktion und drückten den Gewinn der Sparte Valora Trade.
Umsetzung schneller und härter
Im Kerngeschäft soll nun ein neues Kiosk-Sortiment mit mehr Nahrungsmitteln helfen, den schon länger andauernden Trend rückläufiger Verkaufszahlen bei Zigaretten, Zeitungen und Magazinen auszugleichen und die Margen wieder zu steigern.
Die eingeschlagene Strossrichtung mit einer Konzentration auf das Handelsgeschäft sei richtig, sagte Wüest. «Wir müssen die eingeleiteten Massnahmen stärker, schneller und härter umsetzen.»
Eine Strategieänderung hält der Firmenchef dagegen nicht für nötig. In den nächsten eineinhalb Jahren sollen 120 Kioske nach dem neuen Konzept, das vor allem auf schnelle Verpflegung setzt, funktionieren.
Anleger waren von den vorgelegten Zahlen wenig angetan. Die Valora-Aktie verlor am frühen Nachmittag 4,6%. Bereits vergangene Woche hatte die Veröffentlichung der Eckdaten zum Halbjahr für einen Kursrutsch gesorgt.
Personelle Konsequenzen
Das schlechte Halbjahresergebnis hat auch personelle Konsequenzen: Valora hat am Montag mitgeteilt, dass der Leiter des Bereichs Retail, Manfred Zipp, das Unternehmen «im gegenseitigen Einvernehmen» verlässt.
Valora-Chef Peter Wüst hat nun das Heft bei den schwächelnden Schweizer Kiosken, die rund ein Drittel zum Gesamtumsatz beitragen, selbst in die Hand genommen und ist neu der Leiter des Bereichs Retail Schweiz.
Gewerkschaft besorgt
Die Gewerkschaft Syna hat das enttäuschende Halbjahresresultat «mit Besorgnis» zur Kenntnis genommen. Syna warnte am Dienstag vor «einseitigen Sparübungen».
Der Rückgang in der Kiosksparte sei vor allem durch neue Projekte verursacht worden, teilte Syna in einer Medienmitteilung mit. Durch diese Projekte würde auch das Personal zusätzlich beansprucht.
Syna begrüsse, dass nun Valora-Konzernchef Peter Wüst die Leitung der Retail-Sparte übernehme. «Damit besteht die Chance zur Einsicht, dass einseitige Sparübungen auf Kosten des Personals keine Lösung der Situation bringen».
swissinfo und Agenturen
Bis 1996 hiess der Handelskonzern Valora Merkur AG.
Heute erzielt der Konzern 25% des Umsatzes in verschiedenen europäischen Ländern und an insgesamt 1400 Verkaufsstellen.
Ende 2002 waren es noch 1660 Verkaufsstellen.
Valora Media beliefert sowohl eigene Retail-Verkaufsstellen wie auch Drittkunden in der Schweiz, Österreich und Luxemburg mit Medienartikeln.
Mit fünf Produktionsbetrieben in der Schweiz, in Frankreich, Schweden und Norwegen ist Valora Trade auch Hersteller von Dauerbackwaren, Apéro-Gebäck, Waffeln, Biskuits und Chips.
Im Jahr 2006 betrug der konsolidierte Umsatz der Gruppe 2863 Millionen Franken.
Sie beschäftigte Ende 2006 knapp 7200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
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