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Der tiefe Fall der SAir im Spiegel der Presse

swissinfo.ch

Der tiefe Fall der SAirGroup ist am Dienstag (03.04.) das beherrschende Thema in den Schweizer Zeitungen. Kommentiert wird die Krise des Schweizer Luftfahrtkonzerns aber auch in der Auslandpresse.

Endlich eine schonungslose Analyse der katastrophalen Situation der SAirGroup. Aber noch keine klare Strategie für die Zukunft, und vor allem: noch viel harte Knochenarbeit für den neuen Swissair-Chef Mario Corti. Das ist das Fazit der heutigen Schweizer Presse.

Trotz dem fast Dreimilliarden-Finanzdesaster der SAirGroup, Grund zur Freude gibt es dennoch für alle Kommentatoren: «Die Swissair hat wieder einen Chef», schreibt nicht nur der Zürcher TAGES-ANZEIGER über Mario Corti. Corti sei einer, der nicht nach Ausreden in der Vergangenheit suche, der nicht von den Schwierigkeiten der Gegenwart ablenke und der die Zukunft nicht rosig male. Allerdings, warnt der TAGI: «Es wäre lächerlich, jetzt einen Personenkult um ‚Super-Mario‘ zu entfachen. Corti hat noch nichts erreicht.»

Auch die Genfer Zeitung LE TEMPS ist gewillt, dem neuen Chef eine Chance zu geben: «Au bénéfice du doute», titelt das welsche Blatt. Auch wenn der von Nestlé her kommende Mario Corti, wie die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, meint, «einige Jahre brauchen wird, um die Swissair wieder auf Kurs zu bringen».

Und überhaupt: Der Neustart der Swissair wird in fast allen Zeitungen mit Vorsicht beurteilt, wenn auch mit viel Wohlwollen für Mario Corti. Während die AARGAUER ZEITUNG von einem «nüchternen Lagebericht» des SAir-Top-Managers spricht, tönt es in der NEUEN LUZERNER ZEITUNG schon etwas optimistischer. «Seine in Grundzügen angedeutete Strategie dürfte den Weg aus dem SAir-Schlamassel weisen», meint das Blatt. Ähnlich sieht es die BERNER ZEITUNG: Für sie ist «ein erster Schritt getan». Nun heisse die SAirGroup also wieder Swissair-Gruppe. Und der Namenswechsel spreche für den «neuen Mann im Cockpit», Mario Corti.

Leise Kritik am Bild von «Super-Mario» übt das ST.GALLER TAGBLATT. Denn: «Strategisch sind Cortis Pläne erst in Konturen sichtbar.» Und zudem hänge jetzt alles davon ab, ob die bisher nur angekündigte, milliardenschwere Kapitalspritze durch ein Bankenkonsortium wirklich zustande komme, gibt die SOLOTHURNER ZEITUNG zu bedenken.

Ungewisse Zukunft

Jedenfalls ist die Zukunft der Swissair für alle Zeitungen letzten Endes ungewiss. Zuviele Komponenten sind noch unklar. Oder, wie es der Berner BUND formuliert: «Das Leiden beginnt erst.» Erst recht, wenn man, wie die BASLER ZEITUNG, bedenkt, dass «der Konzern immer noch im Nebel fliegt». Zumindest sollte er dies aber nicht im Alleingang tun. Das rät der CORRIERE DEL TICINO, der seine Frage: «Alleingang: una scelta ancora sostenibile?» mit einem klaren Nein beantwortet.

Für das Boulevard-Blatt BLICK steht indessen etwas ganz anderes im Vordergrund, nämlich: «Das Herz der Swissair geht.» Damit gemeint ist die populäre Swissair-Kommunikations-Chefin Beatrice Tschanz, die ihren Abgang angekündigt hat. Das heisst für den BLICK: «Jetzt spricht nur noch Herr Dr. Corti.»

Auch die Auslandpresse

Auch für die Auslandpresse ist die SAir-Krise ein Thema. Die britische FINANCIAL TIMES schreibt: «Mario Corti ist trying to yank back the joystick», was so viel heisst wie: «Corti versucht, den Steuerknüppel herumzureissen.» Die Hoffnung der Swissair liege nun in einer grossen Allianz oder aber in einer Fusion mit einer anderen Airline, meint die FINANCIAL TIMES.

Die belgische Zeitung L’ECHO spricht vom «schlimmsten Szenario» und zitiert dabei Analysten. Die Pariser Zeitung LE MONDE macht sich wegen der französischen SAir-Töchter AOM, Air Liberté und Air Littoral Sorgen und schreibt: «SAirGroup affiche des pertes record et donne deux mois à Air Littoral pour trouver un repreneur.» Also: Die rekord-verlustreiche SAirGroup gibt Air Littoral gerade mal zwei Monate Zeit, um einen neuen Käufer zu finden.

Für den Wiener STANDARD ist klar: «Der fliegende Nationalstolz der Schweizer, die Swissair, ist im Vorjahr nur knapp am Konkurs vorbeigeschrammt.» Und für die FRANKFURTER ALLGEMEINE schliesslich stellt sich nun vor allem die Frage: «Will die Swissair nun der politischen Alleingangsmaxime des Landes folgen oder doch einer der grossen Allianzen beitreten?»

Jean-Michel Berthoud

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