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Der UBS den Rücken kehren

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Nach dem Swissair-Debakel ist die UBS im Kreuzfeuer der Kritik. Als "UBS - United Bandits of Switzerland" wurde sie auf Transparenten bezeichnet, viele Leute haben ihre UBS-Konten aufgelöst. Die kleineren Banken auf dem Finanzplatz Schweiz "freuen" sich über die neuen Kunden.

Der Kundenberater der Berner Kantonalbank (BEKB) wird sich noch lange an diesen Mittwoch erinnern, den Tag, als ein Swissair-Angestellter fragte, ob er denn noch immer seine Kreditkarte gebrauchen könne, auch wenn sein «Lohn» künftig von der Arbeitslosenkasse komme.

Der Swissair-Mitarbeiter hatte Konten bei der UBS und bei der BEKB. Nun liess er die UBS-Konten auflösen, zur Kantonalbank transferieren. Und er war am Mittwoch nicht der einzige.

«Spürbar» sei die Zunahme der Wechsel, meinte der BEKB-Kundenberater gegenüber swissinfo. Die Menschen seien wütend gewesen auf die UBS. Gleichzeitig schämten sie sich für die Schweiz – beispielsweise dafür, dass man Menschen einfach auf dem Flughafen übernachten liess.

UBS-Abkehr – vor allem in der Deutschschweiz

An enormem Zulauf erfreut sich auch die Migrosbank. Stündlich hätte der Andrang zugenommen, erklärt Migrosbank-CEO Erich Hort. Die Ausnahme sei die Westschweiz gewesen. Dort hätten sich die Menschen vor zwei Jahren halt von der Swissair verabschiedet, als diese Genf als Flughafen Zürich hintan stellte.

Schon bei der grossen Bankenfusion von der alten UBS und dem Bankverein zur UBS vor drei Jahren hätten Kunden und Kundinnen Bank gewechselt, «aber nicht so spontan», so Hort.

«Damals ist es eher der Kopf gewesen, und heute ist es der Bauch.» Die Leute hätten diskutiert, ältere Leute Unverständnis für die Grossbank geäussert. Der Wechsel passiere aus einem Gefühl des Schocks und Frusts, erzählt Hort.

Anders bei der Bank Coop: Man habe zwar vereinzelt Reaktionen gehört, sagt Corina Blum, Medienverantwortliche der Bank Coop. Aber bei ihnen seien nicht mehr Konten neu eröffnet worden als sonst.

An einer Grossdemonstration in Zürich-Kloten riefen Flight Attendants ihre Kollegen und Kolleginnen dazu auf, ihre Konten bei der Grossbank zu künden. Der Zorn auf die UBS – und auch auf die Credit Suisse – war gross.

Gegenüber der Nachrichtenagentur AP bestätigte die UBS «spontane Kontenauflösungen». Das Ausmass könne aber nicht beziffert werden.

Bankenboykott ist kein Fremdwort

Es ist nicht das erste Mal, dass Schweizer (Gross-) Banken mit Boykott-Aufrufen und Kundenschwund konfrontiert sind. Stichwort Südafrika: Als das damalige Apartheid-Südafrika über den Goldpool der (damals drei) Grossbanken sein Gold zu verkaufen begann, riefen verschiedene Organisationen zum Boykott auf.

Stichwort Bankenfusion: Als 1998 die alte UBS mit dem Schweizerischen Bankverein fusionierte, waren es die kleinen Banken, die Vermögenszuflüsse verzeichnen konnten.

… nun könnten auch grössere Kunden wechseln

Laut Urs Ackermann, Medienverantwortlicher bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), haben die Retailkunden damals bereits die Grossbanken verlassen. Die Kunden, die nun kämen, seien grössere Kunden, schätzt Ackermann.

Bei der ZKB seien am Mittwoch die Schalterhallen gut gefüllt gewesen – ein seltener Anblick Anfang des Monats, so Ackermann. Die ZKB verzeichnet Neuzuzüge nicht nur von Privatkunden, sondern auch von Firmen. Dies sei beachtlich, seien doch damit grosse Umtriebe und Kosten verbunden, sagte Ackermann gegenüber swissinfo. Noch sei aber unklar, wie viel Geld von den Grossbanken zu den kleineren fliesse.

Übrigens lasse sich die UBS gerne Zeit mit dem Übertrag der Gelder. Diese Erfahrung hatte Ackermann 1998 bei der Fusion gemacht.

Bankenunfreudliche Börse

Die Wut auf die Grossbanken kann sich noch steigern. Bereits profitieren sie vom Kauf der Crossair-Aktien. Diese legten am Mittwoch um über 21% auf 340 Franken zu. Knapp 50 Mio. Franken des Kaufpreises für Crossair haben die Grossbanken damit auf dem Papier wieder hereingeholt. An Crossair halten die beiden Grossbanken 70%, nachdem sie diesen Anteil am Dienstag der Swissair für 258 Mio. Franken abgekauft haben.

Die UBS-Aktie verlor bis zum Handelsschluss fast 4% auf 70,35 Franken. Die UBS übernimmt 51% der Kosten von total 1,35 Mrd. Franken, welche zum Erhalt einer Fluggesellschaft in der Schweiz aufgewendet werden. Die Credit Suisse Group liessen mit einem Minus von 0,1% auf 51,60 Franken deutlich weniger nach.

Rebecca Vermot

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