Die Post in der Defensive
Der Umbau des Poststellen-Netzes geht schneller voran als geplant. Seit Januar wurden 101 Poststellen umgebaut, ein Drittel davon blieb erhalten. Die Post startet nun vor der Parlaments-Debatte ihre Lobby-Arbeit: Sie wehrt sich gegen parlamentarische Auflagen.
Die Opposition gegen die im Frühling beschlossenen Poststellen-Schliessungen ist auch im Parlament vorzufinden. In der Herbstsession werden verschiedene Vorstösse behandelt: Auflagen bei der Netzgestaltung der Post, der Vorschlag eines Moratoriums oder Subventionen für ein flächendeckendes Poststellen-Netz. Post-Chef Ullrich Gygi betonte am Dienstag (14.08.) ein weiteres Mal, man lehne diese Vorstösse ab.
Der Auftrag, den Service public zu erhalten, sei im Postgesetz formuliert. Wie sie diesem Auftrag nachkommen wolle, sei Sache der Post. Solange der Service Public aus eigener Kraft finanziert werden könne, brauche es auch keine Subventionen, betonte Gygi.
Poststellen weg, Service nicht
Zur Zeit sei intensives Lobbying im Gange, um die Annahme der Vorstösse zu verhindern, sagte Post-Kommunikations-Chef Daniel Mollet. Auch bereite man sich auf eine ablehnende Haltung des Bundesrats zur Errichtung einer Postbank vor, erklärte Gygi. Für diesen Fall plane man Kooperationen mit dem Bankensektor.
60 Poststellen wurden auf den Hausservice umgestellt, erklärte der für Poststellen und Verkauf zuständige Karl Kern. 8 Poststellen wurden ersatzlos geschlossen, eine wurde zu einer Agentur umgewandelt und 32 blieben als Filialen oder Poststellen erhalten.
Symbolischer Gehalt
Mit dem Umbau gehe es schneller voran als geplant, sagte Kern. Ursprünglich war geplant, die 1’500 als so genannte P-Poststellen eingestuften Büros innert fünf Jahren zu restrukturieren. Nun zeige sich, dass mehr als die geplanten 300 Poststellen pro Jahr restrukturiert werden könnten.
Man wolle damit aber kein fait accompli schaffen, betonte Gygi., sondern sei sich des symbolischen Gehalts des Poststellen-Netzes bewusst. Dennoch dürfe man die Realität nicht vergessen – und müsse an die 500 Mio. Franken Defizit denken, die das Poststellen-Netz jährlich schreibe, sagte Gygi weiter.
Die christliche Gewerkschaft Service Public und Dienst-Leistungen (transfair) hatte in einem Positionspapier festgehalten, die Poststelle in einem Dorf sei «Symbol und Lebenszeichen zugleich». Gewerkschaften und Konsumenten-Verbände haben eine Volksinitiative für eine «Post für alle» angekündigt.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch