Euro: Chancen und Risiken für die Schweiz
Die Schweizer Bevölkerung steht dem Euro nüchtern gegenüber, wie die jüngste Studie zum Thema zeigt. Sie wurde am Montag an einem Euro-Symposium des Integrationsbüros des Bundes vorgestellt.
Am selben Anlass wies Wirtschaftsminister Pascal Couchepin auf Chancen und Risiken des Euro hin. Der Euro bringe der Schweiz Vorteile, sagte Couchepin. Allerdings bestünden noch technische und psychologische Hindernisse. Die Schweiz sei aber in der Lage, sich der neuen Situation anzupassen.
Die Einführung des Euro-Bargeldes auf Anfang kommenden Jahres betreffe in der Schweiz auch kleine und mittlere Unternehmen sowie die Bevölkerung direkt. Die Einführung des Euros als Buchwert anfangs 1999 betraf vorab Finanzinstitute.
Schwierigkeiten sieht Couchepin unter anderem bei den Wechselkursen. Zumal der Euro kein echter Konkurrent des Dollar sei, seien die Euro-Länder wirtschaftlich unterschiedlich leistungsfähig.
Währungsmosaik aufgehoben
Das bisherige Währungsmosaik werde aufgehoben, die Schweiz stehe damit einem neuen grossen Block gegenüber, sagte Nationalbank-Präsident Jean-Pierre Roth. Dies verlange in den Handelsbeziehungen und bei der Währungsgestaltung Flexibilität und Fingerspitzengefühl.
Einerseits werde der Handel und die Investitionen mit Europa erleichtert, sagte Roth. Andererseits bestehe die Gefahr einer Binnenmentalität innerhalb Europas, indem die europäischen Unternehmen weniger bereit sind, mit anderen Währungen zu arbeiten. Der Schweizer Franken werde nicht an den Euro angebunden, betonte Roth.
Erwartungen der Schweizer
Dass mit der Einführung des Euro-Bargeldes Chancen und Risiken verbunden sind, ist der Schweizer Bevölkerung bewusst. Gemäss einer Umfrage bei 2’100 Stimmberechtigten erwarten sie jedoch keine grossen Vor- oder Nachteile, wie der Politologie Claude Longchamp ausführte. Sie stehen dem Euro pragmatisch gegenüber. 98 Prozent der Schweizer ist der Euro ein Begriff – laut Longchamp ein Rekordwert.
Die Mehrheit der Befragten erwartet Vorteile für den Konsumenten. 83 Prozent glauben, dass der Euro eine Zweitwährung wird. Allerdings glaubt immerhin rund ein Fünftel, dass der Euro die Souveränität der Schweiz schwäche.
Unbegründete Angst
Ökonomen wiesen darauf hin, dass Risiken bezüglich Osterweiterung der EU oder Währungs-Schwankungen zwar bestünden, die Ängste jedoch übertrieben seien. Die Schweiz brauche wirtschaftlich keine Angst zu haben, sagte Klaus Wellershoff, Chefökonom der UBS Warburg.
swissinfo und Agenturen
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