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Für die Telekombetriebe sind die guten Zeiten vorbei

Nach drei Jahren Sonnenschein brauen sich Wolken zusammen über der Schweizer Telco-Szene. Keystone

Drei Jahre nach Beginn der Liberalisierung war für den Schweizer Telekommunikations-Markt dieses Jahr die Zeit der Konsolidierung. Die euphorische Periode der Firmengründungen ist der finanziellen Logik gewichen.

Die Champagnerflaschen sind geleert, jetzt kommt die Stunde der Abrechnung. Als Erstes wurde diesen Sommer GTN von der amerikanischen World Access übernommen. Der Genfer Anbieter war 1996 eines der ersten privaten Telekommunikations-Unternehmen auf dem Schweizer Markt gewesen und war Nummer vier in diesem Bereich.

Spektakulärer war der kürzliche Zusammenschluss von diAx und Sunrise, den beiden Hauptkonkurrenten der Swisscom. Mit einem geschätzten Marktanteil von 15 Prozent im Mobilbereich, 22 Prozent im Festnetz und 36 Prozent beim Internetzugang wird die neue Gruppe jetzt zu einem ernsthaften Rivalen des ehemaligen Monopolbetriebs.

Wir stellen fest, dass vor allem ausländische Firmen in die Schweiz zum Einkaufen kommen. Der Mobilanbieter Orange ist zu 85 Prozent in der Hand von France Télécom, Tele Danmark kontrolliert 78,5 Prozent des neuen Zentrums diAx/Sunrise, während die Swisscom 25 Prozent seines Mobilbereichs dem britischen Riesen Vodafone abgetreten hat.

Die wirtschaftliche Logik dürfte noch viele weitere Käufe oder Zusammenschlüsse unter den rund hundert Anbietern auf dem Schweizer Markt mit sich bringen, vor allem bei Firmen, welche im Festnetzbereich tätig sind, einem eher unrentablen Sektor, in dem die Margen wegen des Preiskampfs stark zusammengeschmolzen sind. So hat die von der Fondatin Sandoz kontrollierte Interoute Ende November angekündigt, dass sie sich aus dem Festnetzangebot für Private zurückziehen wird.

Sehr bald werden auch die Internetprovider fusionieren müssen. Auf weltweiter Ebene hat die Tendenz bereits eingesetzt, wurde doch ein grosser Zusammenarbeitsvertrag zwischen den sieben Anbietern geschlossen, darunter die europäische Nummer 1, T-Online (Deutsche Telekom) und der japanische Leader Fujitsu. Der italienische Tiscali hat den niederländischen Provider World On Line gekauft, Libertysurf kontrolliert Freesbee, und das Portal Lycos Europe hat sich seinen schwedischen Kollegen Spray unter den Nagel gerissen. Und die Liste wird jeden Tag länger.

Zu beobachten sind auch Zusammenschlüsse zwischen den weltweiten Hauptproduzenten, welche mit hohen Kosten aus der Entwicklung der UMTS-Technologie für die Mobiltelefonie der dritten Generation konfrontiert sind. Die Riesen Toshiba und Siemens haben sich zur Entwicklung der neuen Handys zusammen getan, Matsushita (Panasonic) und Ericsson, dann Fujitsu und die französische Alcatel taten es ihnen gleich.

Die grossen Manöver im Telekommunikationsbereich haben aber erst angefangen. Dank der Deregulierung spriessen Hunderte von Firmen aus dem Boden. Die Frage ist, wie viele von ihnen die Marktkonsolidierung überleben werden. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht vom Staatsmonopol in ein privates Oligopol geraten.

Luigino Canal

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