Gedämpfte Euphorie um UMTS-Lizenzen
Die Hoffnungen auf einen reichen Geldsegen aus der Versteigerung von UMTS-Mobilfunklizenzen in der Schweiz schwindet nach den jüngsten enttäuschenden Auktionen in Holland und Deutschland. Die Prognosen sind nach unten revidiert worden.
Die Versteigerung der vier nationalen UMTS-Lizenzen, die im Herbst ansteht, dürfte drei bis sechs Milliarden Franken in die Bundeskasse schwemmen. Ursprünglich war von bis zu zehn Milliarden Erlös die Rede gewesen.
Prognose revidiert
Die Erwartungen seien «etwas zurückgeschraubt» worden, Marc Furrer, Direktor des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) am Mittwoch (02.08.) an einer Medienorientierung in Zürich.
Bei der Versteigerung der Konzessionen für die dritte Mobilfunkgeneration, den so genannten UMTS-Lizenzen, gehe es nicht in erster Linie darum, die Bundeskassen zu füllen, sagte Furrer weiter. Ziel sei vielmehr, den Wettbewerb im Mobilfunkmarkt zu erhöhen.
Nach den schwindelerregenden Preisen, die in Grossbritannien für die UMTS-Lizenzen bezahlt worden waren, war das Bakom ursprünglich davon ausgegangen, in der Schweiz brächten die vier Lizenzen fünf bis zehn Milliarden Franken ein.
Aufgrund der Versteigerung in Holland und des eher schleppenden Verkaufs in Deutschland sei nun ein tieferer Erlös von drei bis sechs Milliarden Franken zu erwarten, erklärte Furrer.
Vier gleichwertige Lizenzen
In der Schweiz kommen die vier gleichwertigen, nationale UMTS-Lizenzen im kommenden November zur Versteigerung. Darum bewerben sich zehn Unternehmen, darunter Swisscom, Sunrise, Orange und eine Schwesterfirma von diAx.
Bis voraussichtlich Ende August will die Kommunikationskommission (ComCom) bekanntgeben, welche Bewerber die Voraussetzungen für eine UMTS-Lizenz erfüllen und definitiv zur Auktion zugelassen werden.
Auktion im Internet
Die Versteigerung der vier Lizenzen erfolgt gleichzeitig im Internet. Um zur Auktion zugelassen zu werden, müssen die Kandidaten unter anderem den Beweis erbringen, dass sie fähig sind, die nötige Infrastruktur für die UMTS-Betrieb aufbauen zu können. Laut Furrer wird dafür noch einmal mit Investitionen von bis zu einer Milliarde Franken pro Lizenz gerechnet.
Der Bertieb der dritten Mobilfunkgeneration soll ab 2002 möglich sein. Wie dieser Betrieb und die dafür nötigen Geräte aussehen werden, ist noch nicht klar. Die Technologie bringt eine grössere Bandbreite, womit nicht nur Sprache sondern auch andere Daten übermittelt werden können. Grosse Erwartungen werden in den so genannten m-Commerce gesetzt, den kommerziellen Handel via Mobiltelefon.
Im vergangenen Frühling hatte das Bakom Konzessionen für den drahtlosen Teilnehmeranschluss (WLL) verkauft. Die gut zweimonatige Versteigerung im Internet brachte der Bundeskasse einen Erlös von fast 600 Millionen Franken. Damit wurde das Swisscom-Monopol auf der «letzten Meile» vor dem Teilnehmeranschluss faktisch aufgehoben.
swissinfo und Agenturen
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