Golf verliert seinen Elite-Status
Der Walliser Kurort Crans-Montana steht in diesen Tagen im Zentrum der Golf-Welt. In der Schweiz ist Golf in den vergangenen Jahren auch wegen der gesunkenen Kosten populärer geworden.
Dank neuen Golfplätzen und dem Engagement des Grossverteilers Migros hat Golf sein Image als Sport der Wohlhabenden verloren.
Das European Masters in Crans-Montana bringt bis am Sonntag die besten Golf-Spieler des Kontinents zusammen. Aber der Glanz dieses Events hat wenig mit dem Golf-Alltag in der Schweiz zu tun.
In zwei Jahrzehnten hat sich die Anzahl der Golf-Plätze in der Schweiz fast verdreifacht. 1987 gab es lediglich 33 Plätze, Ende 2007 werden es 94 sein.
Die Anzahl Mitglieder in einem Golf-Club ist im gleichen Zeitraum von weniger als 14’000 auf über 50’000 gestiegen.
«Die Entwicklung in der Schweiz widerspiegelt in etwa jener in andern Ländern. Sie setzte hier lediglich etwas später ein», erklärt John Storjohann, Generalsekretär des Schweizerischen Golfverbandes.
Der Boom habe vor etwas mehr als zehn Jahren begonnen, so Storjohann. Das habe auch sehr viel mit den Veränderungen in der Landwirtschaftspolitik zu tun.
«Es ist heute einfacher, die nötigen Bewilligungen zu erhalten, und die Bauern sind eher einverstanden, Land zur Verfügung zu stellen, als früher», führt Storjohann gegenüber swissinfo aus.
Im Geiste Duttweilers
Zudem spiele ein weiteres Element eine wichtige Rolle: Der Entscheid des Grossverteilers Migros, eigene Golf-Plätze zu eröffnen. Der Entscheid erstaunte damals viele, welche Golf als Elite-Sport betrachteten.
«Migros zeigte hier dieselbe Haltung wie bei der Popularisierung des Tennis», begründet Andrea Ming, Projektleiterin für Golf-Plätze bei der Migros, den Schritt. «Es entspricht dem Geiste unseres Gründers Gottlieb Duttweiler, die sportliche Ertüchtigung möglichst allen zugänglich zu machen.»
Migros betreibt in der Schweiz lediglich sieben Golfplätze. Dennoch macht der Grossverteiler geltend, er habe Golf demokratisiert. «Dank uns ist es möglich geworden, den Sport ohne Club-Mitgliedschaft auszuüben», so Ming.
Kosten immer noch hoch
«Es ist wie Skifahren, wo die Leute eine Tageskarte lösen. Die Gebühren sind zudem tiefer als auf den andern Golf-Plätzen. Das hat viele neue Spieler angezogen.»
Trotzdem ist Golf in der Schweiz ein kostspieliger Sport geblieben. Eine Mitgliedschaft in einem Club kostet mehrere tausend oder sogar mehrere zehntausend Franken. Die Gebühren für einen Tag betragen vielerorts rund 100 Franken.
«Falls Sie nicht 75 Franken im Tag bezahlen können, dann können Sie das Golf spielen vergessen», sagt dazu Storjohann. «Unternehmen, die in Golf-Plätze investieren, wollen damit auch Geld verdienen. Selbst die Migros betrachtet Golf als Geschäft.»
Der Grossverteiler räumt ein, dass er Golf im Gegensatz zu kulturellen Aktivitäten nicht subventioniert. «Das Engagement poliert unser Image auf, aber wir können uns damit auch keinen Verlust erlauben», führt Ming aus.
Weniger Prestige als anderswo
Verschiedene Tourismusorte versuchen mit Golf Touristen aus dem Ausland anzuziehen. Schweiz Tourismus wirbt für Golf-Ferien. Experten sind jedoch überzeugt, dass das nicht genügt.
«Die Schweiz hat nicht das Prestige der traditionellen Golf-Destinationen wie England, Schottland, Irland oder die USA», stellt Nicolas Délétroz vom Institut für Wirtschaft und Tourismus in Siders aus. «Unsere Plätze sind vor allem für die Wohlhabenden sicherlich weniger attraktiv.»
Délétroz ist überzeugt, dass es keinen Sinn mache, wenn einzelne Destinationen sich zu verkaufen versuchen. «Die Leute wollen spielen wann und wo sie wollen. Wenn die Clubs Spieler aus dem Ausland anziehen wollen, dann müssen sie das gemeinsam tun.»
swissinfo, Scott Capper
(Übertragung aus dem Englischen: Andreas Keiser)
Mehr als 50’000 Schweizerinnen und Schweizer sind Mitglied eines Golf-Clubs.
Dazu kommen 12’000 unabhängige Spieler.
Ende 2007 wird es in der Schweiz 94 Golf-Plätze haben, 7 davon gehören der Migros.
2006 wurden auf den Migros-Plätzen 357’900 Runden gespielt.
Wer Golf spielen will, besucht in der Regel einen eintägigen Schnupperkurs. Anschliessend lernt er die Regeln kennen.
Für die sogenannte «Platzreife» müssen Interessenten eine praktische und eine theoretische Prüfung absolvieren.
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