Grossbankenvergleich: Verteilplan stösst auf Widerstand
Resignation, Sorge und Zorn ist dem Berg von Briefen zu entnehmen, die Holocaust-Überlebende dem New Yorker Richter Edward Korman zum Plan für die Verteilung von 1,25 Mrd. Dollar aus dem Vergleich mit den Schweizer Grossbanken geschrieben haben.
Mehr als zwei Jahre sind vergangen, seit sich die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse Group mit den jüdischen Sammelklägern in den USA auf die Zahlung von 1,25 Mrd. Dollar für die Erledigung aller Ansprüche geeinigt haben.
Noch ist kein Geld an die betagten Überlebenden des Holocaust geflossen. Seit dem 12. September liegt ein Entwurf für die Verteilung vor. Er ist am Montag (20.11.) Gegenstand eines öffentlichen Hearings vor dem US-Bundesbezirksgericht im New Yorker Stadtteil Brooklyn.
Wie dem Berg von schriftlichen Stellungnahmen zum provisorischen Verteilplan zu entnehmen ist, beklagen sich viele Anspruchsberechtigte darüber, dass die Vergleichssumme zu klein sei und das Geld zu spät komme.
Der vom New Yorker Richter Korman mit der Ausarbeitung des Verteilplans beauftragte so genannte Special Master Judah Gribetz will den Löwenanteil von rund 800 Mio. Dollar jenen Menschen vorbehalten, die ein Konto bei den Schweizer Banken eröffnet hatten, das nach dem Krieg ohne Nachricht blieb.
Diese Bevorzugung der Kontoinhaber beziehungsweise deren Erben wird zum Beispiel von Rabbi Chaim Stuber in Brooklyn in Frage gestellt. «Wir sollten uns überlegen, wo die wirklichen Prioritäten liegen», schrieb er dem Richter, und weiter: «Wir hoffen, es werden die Bedürftigsten unter den Überlebenden sein.»
Auch Zustimmung zum Plan
In anderen Stellungnahmen wird der Verteilplan aber auch begrüsst. Glen Cove, ein 75-jähriger Anwalt und Auschwitz-Überlebender in New York, bezeichnete den Vorschlag als das Beste, was unter den gegebenen Umständen möglich sei. Die in New York erscheinende «Jewish Week» bezeichnete den Gribetz-Plan als salomonische Lösung, um ein Gleichgewicht zwischen Rechtsgrundsätzen und moralischer Verantwortung zu finden.
Die beiden Schweizer Grossbanken sind an der Verteilung der 1,25 Mrd. Dollar nicht mehr beteiligt. Einer der Anwälte, welche die Banken im Rechtsstreit mit den jüdischen Sammelklägern vertreten hatten, zog vergangene Woche aber ebenfalls ein bitteres Fazit. Das von Gribetz vorgeschlagene Verfahren für die Erledigung der Ansprüche auf die bei den Schweizer Banken identifizierten Konten werde noch fünf bis zehn Jahre dauern und über 100 Mio. Dollar kosten, befürchtet der Zürcher Rechtsanwalt Flavio Romerio.
swissinfo und Agenturen
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