«Herzlichen Glückwunsch – falls Sie gewonnen haben»
Während schon etliche Staatschefs George W. Bush zum Sieg gratulierten, zahlte sich die Schweizer Zurückhaltung aus: Die Schweizer Regierung will erst den defintiven Gewinner beglückwünschen. Bis dieser fest steht, könnte es noch noch einige Tage dauern.
Wie der Sprecher des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten, Livio Zanolari erklärte, wartet die Schweiz immer das endgültige Resultat ab, bevor sie gratuliert.
Wen das EDA beglückwünschen wird, ist immer noch unklar: Zuerst muüssen in Florida die Stimmen nachgezählt werden. Die Nachzählung wurde in der Nacht unterbrochen und wird am Donnerstag (09.11.) fortgesetzt. Bis 23 Uhr Schweizer Zeit soll sie abgeschlossen sein.
Möglichwerweise müssen aber auch noch die Stimmen der Briefwähler ausgezählt werden. Das könnte weitere zehn Tage dauern.Inzwischen häufen sich in Florida Klagen über Unregelmässigkeiten bei der Präsidentenwahl: Der Nationale Verband für die Förderung der Farbigen forderte von US-Justizministerin Janet Reno eine Untersuchung. Berichten zufolge seien einige Schwarze in Wahllokalen abgewiesen worden. Andere hätten nur unbrauchbare Wahlzettel erhalten oder seien von Wahlhelfern wegen ihrer Rasse von der Wahl ausgeschlossen worden.
Berner Zeitung streicht Sondernummer
Dass es zu einer knappen Entscheidung kommen werde, war im Vorfeld allgemein unbestritten. Dementsprechend berichteten auch die Schweizer Zeitungen in ihren Mittwochs-Ausgaben. So sprach die Neue Zürcher Zeitung vom «zähen Ringen bis zum Abschluss der Kampagne» und der Zürcher Tages Anzeiger von «Wahlen spannend bis zuletzt». Die Berner Zeitung (BZ), die für Mittwoch 16.15 Uhr eine Sonderausgabe geplant hatte, die sie gratis an die Bernerinnen und Berner verteilen wollte, verzichtete auf diesen Service.
Wie man bei der BZ gegenüber swissinfo sagte, wäre es «ein Blödsinn», eine Sondernummer herauszugeben, wenn man den neuen Präsidenten noch nicht kenne. Es sei auch für die Zeitung ein Lehrstück, man werde sich in Zukunft gut überlegen, ob man mit grossem Aufwand eine Sondernummer ankündige!
Schweizer Börse: Pharma rauf, Banken runter
Die Schweizer Börse hat am Mittwoch leichter geschlossen. Schweizer Hoffnungen auf einen Sieg George W. Bush beflügelten die Pharmawerte Roche und Novartis. Auch Nestlé konnte Gewinne verbuchen.
Die Banken litten unter Gewinnmitnahmen. Sollte der US-Konsum durch die von Bush in Aussicht gestellten Steuersenkungen angeheizt werden, rechnen Marktexperten mit tendenziell eher höheren Zinsen, erklärte ein Händler. Dies drückte auf die Banken. UBS, CS Group und Julius Bär büssten deutlich an Boden ein.
Der Dow Jones in New York beendete denselben Handelstag um 45,12 Punkte oder 0,41 Prozent leicht tiefer.
swissinfo und Agenturen
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