Hoffnung auf blühendes Geschäft mit Schnittblumen
Auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Ambri-Piotta soll der grösste Zuchtbetrieb der Schweiz für Schnittrosen entstehen. Die italienische Ciccolella-Gruppe will 60 Millionen Franken investieren.
Die Energie für den Zuchtbetrieb soll aus einem neuartigen Biomasse-Kraftwerk stammen. Die Initianten glauben an ein blühendes Geschäft.
Zwölf Millionen Rosen und Flamingoblumen im Jahr: Diese gewaltige Menge an Schnittblumen soll dereinst in Gewächshäusern in Piotta gezüchtet und in die ganze Schweiz geliefert werden.
85’000 Quadratmeter Fläche und einen Teil des ehemaligen Militärflugplatzes beansprucht das Projekt am Fusse des Gotthards.
Das Investitionsvolumen von 60 Mio. schliesst auch die Kosten von 20 Mio. Franken für ein Biomasse-Kraftwerk ein, das pflanzliche und tierische Abfälle zur Energiegewinnung nutzen soll und mit der Blumenzucht gekoppelt ist.
Von dem Projekt wird schon seit Jahren gesprochen, aber lange sah es so aus, als handle es sich um ein Luftschloss. Doch vor kurzem hat die Firma Biowatt SA das Baugesuch eingereicht.
Biowatt-Verwaltungsratspräsident Giorgio Giudici, seines Zeichens Stadtpräsident von Lugano, ist zuversichtlich, dass im April 2008 mit dem Bau begonnen werden kann. Die Betriebsaufnahme ist für Juni 2010 vorgesehen.
Transport per Bahn
Ein Zuchtbetrieb für Rosen im rauen Leventinatal auf 1000 Meter Höhe mag auf den ersten Blick erstaunen. Doch die Initianten beteuern, der Standort sei optimal. Die ideale Temperatur für Rosen läge zwischen 18 und 24 Grad und es sei leichter, Gewächshäuser zu heizen als an heissen Standorten zu kühlen.
Zudem wird die Position an der Gotthard-Achse als strategisch günstig bezeichnet. Bundesrat Moritz Leuenberger bürge dafür, dass das Industriegeleise mit Anschluss an die Gotthard-Bahn-Achse erhalten bleibe. Täglich acht Waggons sollen per Bahn transportiert werden.
Hoffnungen in der Leventina
Mit einem Umsatz von 100 Mio. Franken ist die Schweiz im Bereich Schnittblumen gemäss Biowatt ein interessanter Markt. Eine Produktion im Inland verfüge über einen Wettbewerbsvorteil, da auf Importblumen aus dem Ausland hohe Zölle bezahlt werden müssen.
Im dicht überbauten Tessin ist die Hochebene von Ambrì die einzige ebene Fläche, auf der sich ein Betrieb dieser Dimension überhaupt noch bauen lässt. In der Leventina setzt man grosse Hoffnungen auf das Projekt, wie Quintos Gemeindepräsident Fabrizio Cieslakiewicz sagt.
Blumenmulti als Investor
Denn die Leventina gehöre zu den Tälern im Tessin, die ständig Arbeitsplätze und damit an Attraktivität verlören. Die Bevölkerungszahl ist rückläufig. Das Gemeindesteueraufkommen von Quinto beträgt lediglich 2 Mio. Franken. Die Blumenzucht von Biowatt verspricht 70 neue Arbeitsplätze.
Hinter dem Projekt steht die süditalienische Ciccolella-Gruppe, eine der führenden europäischen Firmen für Rosenzucht und -vertrieb mit Sitz in Molfetta in der Provinz Bari (Apulien).
Nach eigenen Angaben erwirtschaftet das Unternehmen einen Jahresumsatz von weit über 100 Mio. Euro (165 Mio. Franken). Die Ciccolella-Gruppe befindet sich in starker Expansion.
Vorstoss ins Ausland
«Das Projekt in Ambri ist aber unsere erste Investition in einen Produktionsbetrieb im Ausland», führt Francesco Ciccolella gegenüber swissinfo aus.
Man wolle nahe an den Konsumenten produzieren und die Schweizer hätten im europäischen Vergleich einen sehr hohen Blumenkonsum. «Der grösste Teil der Schnittblumen in der Schweiz wird importiert, sicherlich nicht von Italien, sondern aus Ecuador, Kenia und Äthiopien», so Ciccolella.
Das Unternehmen Ciccolella war jüngst auch in den italienischen Medien präsent. Die italienische Börse wunderte sich zu Beginn dieses Jahres über die stark steigenden Kurse der Ciccolella-Aktien. Und im März wurde der Betrieb von Ciccolella in Molfetta wegen tiefer Saläre bestreikt.
swissinfo, Gerhard Lob, Quinto
Die Promotoren für die Zucht von Schnittblumen auf dem ehemaligen Militärgelände von Ambrì setzen auf Inlandproduktion, um Zölle und Kontingente zu vermeiden.
Für einen Import von Schnittblumen aus dem Ausland (frische Blüten und Blütenknospen zu Binde- oder Zierzwecken) bedarf es in der Schweiz einer Generaleinfuhrbewilligung des Bundesamtes für Landwirtschaft.
Zudem ist die Einfuhr während sechs Monaten eingeschränkt.
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