Holderbank engagiert sich mit über 4 Mrd. Franken in Portugal
Die Holderbank-Gruppe plant die grösste Expansion ihrer Geschichte: Sie beteiligt sich mit rund 4,4 Mrd. Fr. an der angestrebten Übernahme eines portugiesischen Zementherstellers durch dessen kleineren Rivalen.
Holderbank würde damit selbst zum Marktführer in Portugal.
Die portugiesische Companhia Geral de Cal e Cimento (SECIL) beabsichtigt eine unfreundliche Übernahme ihres Konkurrenten Cimento de Portugal (CIMPOR). Aus kartellrechtlichen Gründen und zur Finanzierung der Akquisition will SECIL anschliessend rund zwei Drittel der übernommenen Aktivitäten an Holderbank weiterverkaufen, wie der Schweizer Konzern am Freitag (16.06.) mitteilte.
Holderbank, der weltgrösste Zement- und Baustoffhersteller, käme damit in Besitz von 11,8 Mio Tonnen Zementkapazität sowie einem jährlichen Verkaufsvolumen von 9 Mio Tonnen Zuschlagstoffen und 3,5 Mio. Kubikmeter Transportbeton. Rund 2,8 Mrd. Euro (4,4 Mrd. Franken) würde der Schweizer Konzern dafür bezahlen.
3000 neue Holderbank-Beschäftigte
«Kommt die Übernahme zustande, wäre dies für Holderbank die grösste Übernahme aller Zeiten», erklärte Pressesprecher Roland Walker auf Anfrage. Holderbank, bislang in Portugal nicht vertreten, erhielte in diesem Land ein Geschäftsvolumen von 6 Mio. Tonnen Zement und würde so zum Marktführer.
Gleichzeitig könnte auch die Position in Brasilien und Nordafrika ausgebaut werden. Rund 3000 der insgesamt 5235 CIMPOR- Mitarbeiter würden von Holderbank übernommen.
Von CIMPOR liegt noch keine Stellungnahme zum Übernahmeangebot vor. Der portugiesische Staat, der eine Sperrminorität von 12,7 Prozent am ehemaligen Staatsbetrieb besitzt, hat nach Angaben Walkers signalisiert, dass er seine CIMPOR-Aktien verkaufen werde.
Zur Übernahme wäre eine Zustimmung der zuständigen Wettbewerbsbehörden erforderlich. Holderbank rechnet auch mit Konkurrenzangeboten anderer Unternehmen.
SECIL, mit einem Marktanteil von 40 Prozent die zweitgrösste Zementherstellerin Portugals, will mindestens 67 Prozent des Kapitals an CIMPOR erwerben. Dabei werden 20,5 Euro pro Aktie und damit gegenüber dem Börsenkurs eine Prämie von rund 30 Prozent offeriert. Der angebotene Preis beträgt rund 4 Mrd. Euro.
Das in mehreren Ländern tätige Unternehmen CIMPOR ist mit einem Marktanteil von 60 Prozent Marktführer in Portugal. Die Käuferfirma SECIL will nur CIMPOR-Aktivitäten in Spanien, Ägypten und Brasilien behalten. Rund zwei Drittel der Geschäftsaktivitäten – insbesondere diejenigen in Portugal, Marokko, Tunesien, Moçambique und teilweise in Brasilien – würden an Holderbank weiterverkauft.
Für die Akquisition sieht Holderbank eine Zwischenfinanzierung über die Banken vor. Später würden auch Eigenmittel bereitgestellt.
swissinfo und Agenturen
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