Immer weniger Schweizer suchen die Wahrheit im Wein
Schweizerinnen und Schweizer haben im letzten Jahr 270 Mio. Liter Wein getrunken, das sind 2,5% weniger als im Vorjahr. Insbesondere mit Schweizer Wein wurde weniger angestossen.
Ein Grund dürfte die Senkung der Blutalkohol-Promillegrenze im Strassenverkehr von 0,8 auf 0,5 sein. Insgesamt ist der Weinkonsum aber seit Jahren rückläufig.
Die Gesundheitsfachleute freuts, die Weinhändler und Weinbauern weniger: 2006 tranken Herr und Frau Schweizer 6,6 Mio. Liter weniger Wein als im Jahr davor.
Vom Nachfragerückgang waren Schweizer Weine (-4%) stärker betroffen als die ausländischen Weine (-1,6%), wie das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) am Donnerstag mitteilte.
Rotweine beliebter
Bei den inländischen Weinen dominierte der Rote knapp über den Weissen. Die Weinernte war 2006 erneut niedrig und nur ein Prozent höher als im Vorjahr. 47% des Jahrgangs 2006 waren Weissweine, 53% Rotweine.
Mit 4490 Hektaren bleibt in der Schweiz der Blauburgunder die verbreitetste Rebsorte. Auf dem zweiten Platz folgt der Chasselas. Bei den Neuanpflanzungen der Rebstöcke bleiben Gamaret, Merlot und Garanoir die beliebtesten Sorten.
Tendenz zu Qualitätsweinen
Wichtigster Grund für den Rückgang sei die Senkung der Blutalkohol-Promillegrenze von 0,8 auf 0,5 Promille, sagte Christophe Venetz vom Walliser Dachverband der Weinproduzenten gegenüber swissinfo.
Ferner stellt Venetz eine Tendenz fest weg vom Tafelwein hin zu Qualitätsweinen. Zudem sei der Weinkonsum in allen traditionellen Weinländern rückläufig, so der Walliser.
Weniger ist mehr
Er weist aber darauf hin, dass die Einkommen der Produzenten nicht zurückgegangen seien. «Im Gegenteil, 2005 gingen sie leicht nach oben», so Venetz. Denn die Konsumenten seien bereit, für einen guten Tropfen mehr zu bezahlen.
Auf den Rückgang namentlich der Schweizer Weine angesprochen, sagt der Experte, dass dieser vor allem auf einen sehr starken Einbruch in der Gastronomie zurückzuführen sei. «Es ist eine Frage des Preises», lautet Venetz‘ Fazit.
Für die Zukunft sieht er dennoch nicht ganz schwarz. In der oberen Qualitätsliga blieben Schweizer Weine preislich absolut konkurrenzfähig. Das Problem sei vielmehr das Erreichen einer kritischen Menge für den Export.
«Wie soll ein Produzent Wein exportieren, wenn er nur 2000 Flaschen abfüllt?», lautet Venetz‘ rhetorische Frage.
swissinfo und Agenturen
Das grösste Weinanbaugebiet liegt im Kanton Wallis (5136 Hektaren).
An zweiter Stelle liegt der Kanton Waadt (3851ha), gefolgt von Genf (1288ha).
Weitere Rebberge liegen im Tessin (1036ha), im Kanton Zürich (619ha), in Neuenburg (596ha) und Schaffhausen (472ha).
Bei den ausländischen Weinen in der Schweiz sind die französischen und italienischen am gefragtesten. 2006 wurden mehr als 60 Mio. bzw. 50 Mio. Liter getrunken.
Auch hoch im Kurs waren spanische Weine mit 30 Mio. Liter.
An vierter Stelle liegen die Weine aus den USA, gefolgt von den portugiesischen. Dahinter liegen die Weine aus Australien, Deutschland, Chile und Südafrika.
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