Jahresteuerung auf Tiefst-Stand
Die Teuerung ist im August in der Schweiz auf 1,3 Prozent gesunken (Juli 2000: 2 Prozent). Es handelt sich um die tiefste Jahresteuerung seit November 1999, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Freitag (01.09.) mitteilte.
Der Landesindex der Konsumentenpreise verzeichnete im August einen Rückgang um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und erreichte den Stand von 100,3 Punkten (Mai 2000: 100 Punkte).
Positiv wirkten sich vor allem Preisabschläge beim Benzin und für Bekleidung und Schuhe aus. Die inzwischen angekündigten Treibstoffpreiserhöhungen wurden noch nicht berücksichtigt.
Starker Einfluss der Erdölprodukte
Die Preise für Heizöl und Benzin schwankten in den letzten drei Monaten stark. Mit Beiträgen von plus 0,3 Prozent im Juni, von plus 0,2 Prozent im Juli und von minus 0,3 Prozent im August prägten sie die monatlichen Teuerungsraten.
Bei der Revision des Indexes im Mai wurden die Preise für Erdölprodukte stärker gewichtet. Die neue Gewichtung entspreche aber der aktuellen Bedeutung der Erdölprodukte im mittleren Haushaltbudget, schreibt das BFS.
Für die Beurteilung des mittelfristigen Inflationstrends sei ein von solchen Sondereinflüssen bereinigter Indikator eher aussagekräftig. Eliminiere man die Erdölteuerung aus der Entwicklung des Landesindexes, so resultiere eine wesentlich tiefere Jahresteuerung von derzeit 0,4 Prozent.
Leichter Anstieg der Mietpreise
Die Preise für Bekleidung und Schuhe sanken im August vor allem wegen des Ausverkaufs. Ebenfalls günstiger waren Toilettenartikel. Höhere Preise gab es hingegen bei Salatgemüse, Schokolade, Spezialbrot, Kohlgemüse, Melonen, Kiwi und Rindfleisch. Billiger wurden hauptsächlich Kartoffeln, Fleischwaren und Steinobst.
Die Wohnungsmieten zogen im August leicht an. Der Mietpreisindexerhöhte sich gegenüber der Vorerhebung vom Mai 2000 um 0,4 Prozent. Das gesamtschweizerische Mietzinsniveau lag damit um 1,2 Prozent über jenem vor Jahresfrist. Die Heizölpreise verbilligten sich um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, lagen damit aber immer noch um 52,8 Prozent über dem Vorjahresstand.
Tiefere Preise für Importgüter
Das Preisniveau bei den Inlandgütern erhöhte sich im August um 0,1 Prozent, während es sich bei den Importgütern, insbesondere infolge der rückläufigen Preise für Erdölprodukte, um 1,3 Prozent ermässigte. Innert Jahresfrist verzeichneten die Inlandgüter eine durchschnittliche Preissteigerung um 0,6 Prozent, die Importprodukte eine Steigerung um 3,3 Prozent.
Praktisch Preisstabilität
Gemessen an der Kernrate der Inflation von 0,4 Prozent herrsche in der Schweiz praktisch noch Preisstabilität, sagte Werner Abegg, Sprecher der Schweizerischen Nationalbank. Derzeit verzerrten die starken Schwankungen der Preise für Erdölprodukte das Bild.
Es sei momentan in der Tat keine Inflationswelle zu beobachten. Die Teuerung in der Schweiz sei das Ergebnis der Geldpolitik vor rund zwei Jahren, sagte Abegg weiter und verwies auf die verzögerte Wirkung der Geldpolitik auf die Realwirtschaft.
Das heisse nicht, dass die Notenbank nicht vorausschauen müsse. Aus diesem Grunde habe die Nationalbank in diesem Jahr die geldpolitischen Zügel in recht rascher Kadenz gestrafft.
swissinfo und Agenturen
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