Keine Radikalreform für «Pro Helvetia»
Der Stiftungsrat der Pro Helvetia hat sich an der Plenarversammlung vom Donnerstag (06.07.) gegen radikale Reformen entschieden. Der Reformprozess soll auf der Grundlage des sanfteren von zwei zu Auswahl diskutierten Konzepten fortgesetzt werden.
Zwei Stiftungsräte traten per sofort zurück, wie es an einer Medienkoferenz hiess.
Der Entscheid sei eindeutig gefallen, sagte Stiftungsratspräsidentin Yvette Jaggi. Auf der Grundlage des Berichts «PH 2500» soll der leitende Ausschuss der Kulturstiftung – bestehend aus neun Stiftungsräten – Massnahmen treffen, damit bis Ende 2001 neue Strukturen auf Stiftungsratsebene realisiert werden können. Gleichzeitig wird die Reorganisation des Sekretariats in Angriff genommen, und bis zur Plenarversammlung vom kommenden 23. November muss der leitende Ausschuss einen klaren Zeitplan sowie ein Budget für den Reformprozess aufstellen.
Das Unterlegene Reformmodell «Umbau» hätte ein schnelleres und radikaleres Vorgehen vorgesehen. Unter anderem wurde darin eine klare Entflechtung der strategischen und der operativen Ebene sowie der Verzicht des Milizsystems bei der Beurteilung von Gesuchen verlangt worden. Gleichzeitig wurde der Rücktritt sämtlicher Stiftungsräte sowie des Kaders der Geschäftsstelle gefordert.
Pro-Helvetia-Vize-Präsidentin Cornelia Schweizer, die dieses zweite Modell verfocht, bezeichnete den gewählten Weg als Reform, die diesen Namen nicht verdiene. Sie sei aber froh, dass der Entscheid des Stiftungsrates eindeutig ausgefallen sei. Als Konsequenz legte sie ihr Mandat mit sofortiger Wirkung nieder. Ihr gleich tat es Stiftungsrätin Elisabeth Fröhlich.
Jaggi, die sich bei der Abstimmung der Stimme enthielt, bedauerte die Rücktritte. Sie hätte mit beiden Lösungen leben können, sagte sie. Auch Direktor Bernard Cathomas bezeichnete beide Wege als gangbar, denn auch das gewählte Projekt bringe klare Veränderungen. Wie die genau aussehen werden, steht allerdings noch nicht fest. Einigkeit herrsche aber darüber, dass die Ziele der Stiftung klar festgesetzt werden müssten und eine Neupositionierung der Pro Helvetia nötig sei. Zudem sei eine Straffung sowie eine Klärung der Führung nötig, sagte Cathomas.
Als mögliche Schwierigkeit bezeichnete Jaggi, dass der leitende Ausschuss für den Reformprozess verantwortlich sei, der genau diese Reformen in den vergangenen zwei Jahren nicht habe bewerkstelligen können. Hilfe soll deshalb auch von einer aussenstehenden Sachperson geholt werden.
Unterstützung erhält der Ausschuss auch von Francois Wasserfallen, der von der Plenarversammlung zum stellvertretenden Direktor der Pro Helvetia gewählt wurde. Der 38-Jährige ist derzeit als persönlicher Mitarbeiter von Bundesrätin Ruth Dreifuss tätig. In seinen Aufgabenbereich wird die Leitung der internen Geschäfte, die Betreuung von Projekten und Aufgaben im Rahmen der Organisationsentwicklung sowie die Planung und Durchführung von Controlling-und Evaluationsarbeiten fallen.
swissinfo und Agenturen
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