Klimakonferenz: Das Kräftemessen hat begonnen
In Den Haag hat am Montag (20.11.) die entscheidende Runde der UNO-Klimakonferenz begonnen. Mehr als 100 Umweltminister wollen diese Woche über die Umsetzung des Protokolls von Kyoto aus dem Jahr 1997 beraten. Auch die Schweiz ist in Den Haag vertreten.
Was in Den Haag zur Debatte steht, ist eindeutig: Zwischen 2008 und 2012 sollen in den Industriestaaten die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) und anderen Treibhausgasen um durchschnittlich rund fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 sinken.
Kräftemessen zwischen der EU und den USA
Der französische Staatspräsident Jacques Chirac hat die USA aufgefordert, ihre zögerliche Haltung bei der Reduzierung der so genannten Treibhausgase zu beenden. Als weltgrösster Verschmutzer müssten sie endlich ihre Zurückhaltung aufgeben und strengen Richtlinien zur Reduzierung der Schadstoffemissionen zustimmen, sagte Chirac am Montag auf der Klimaschutzkonferenz.
Die USA müssen ihre Emissionen dem Protokoll zufolge um sieben Prozent verringern, die EU – wie die Schweiz – um insgesamt acht Prozent. Mit dem CO2-Gesetz hat sich die Schweiz zur Reduktion um zehn Prozent bis 2010 verpflichtet.
Die EU bemängelt vor allem, dass die USA viele ihrer Klimaschutz-Verpflichtungen mit Hilfe von Forstprojekten oder im Ausland erfüllen wollen. Die EU besteht darauf, dass 50 Prozent der im Kyoto-Protokoll anvisierten CO2-Reduktionen zu Hause erzielt werden. Eine ähnliche Position will die Schweiz in Den Haag vertreten. Sie hat im Vorfeld jedoch keine Zahlen genannt.
Laut dem Leiter des Bereichs Klimawandel in der EU, Jos Delbeke, erzeugen die USA pro Einwohner doppelt so viel Luftschadstoffe wie die EU und bis zu 20 Mal mehr als Indien oder China. Die grössten Verschmutzer hätten auch das grösste Potenzial, ihre Treibhausgase zu vermindern. Es sei wichtig, möglichst bald konkrete Schritte zum Klimaschutz zu tun. «Je länger man wartet, desto schwieriger wird es», warnte Delbeke.
WWF: 70 Prozent zu Hause erzielen
Der WWF forderte, maximal 30 Prozent der Reduktions-Verpflichtung durch die so genannten flexiblen Massnahmen (Projekte im Ausland, Handel mit Emissions-Zertifikaten) zu erzielen. Ausserdem dürften keine Schlupflöcher entstehen. Die Anrechnung von Wäldern als CO2- Senken lehnt die Umweltorganisation ab.
Über den Verlauf der Verhandlungen zog der WWF-Klimaexperte Konrad Meyer, Mitglied der Schweizer Delegation, gemäss einer Medienmitteilung des WWF Schweiz eine gemischte Bilanz. Zwar habe es technische Fortschritte gegeben, politisch sei aber «nichts in Bewegung gekommen».
Die deutsche WWF-Vertreterin Regine Günther warnte die EU davor, sich von den USA «über den Tisch ziehen» zu lassen. Indiskutabel sei auch der Versuch der USA und Japans, Atomkraftwerke als Klimaschutz-Massnahmen zu verkaufen. Dies sei ein «Etikettenschwindel».
swissinfo und Agenturen
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