Neue Schweizer Fluglinie im Gegenwind
Die Swiss hofft, mit ihrer neuen Regional-Flotte die Probleme des Anschlusses an Lufthansa in den Griff zu kriegen, sagt der Aviatik-Experte Sepp Moser.
Swiss European Air Lines fliegt sei dem 1. November. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat dafür grünes Licht gebeben.
Swiss, selbst Tochter-Gesellschaft der Lufthansa, erklärt, die Reorganisation in Form einer eigenen Regional-Airline spare Geld. Doch der langjährige Airline-Kenner Sepp Moser glaubt, dass damit die Piloten-Gewerkschaft in Deutschland (Cockpit) und jene der ehemaligen Crossair-Piloten in der Schweiz (Swiss Pilots) ausmanövriert werden sollen.
Moser schliesst gegenüber swissinfo nicht aus, dass dieser Entscheid rechtlich angefochten werden könnte.
swissinfo: Ist die Schaffung von Swiss European Air Lines eine gute Idee?
Sepp Moser: Es ist die einzige, die noch bleibt. Denn die Integration von Swissair und ihrer ehemaligen Regional-Tochter Crossair kam ja offensichtlich nicht zustande.
Swiss hat nun die alte Situation neu geschaffen. Nun entspricht Swiss European Air Lines der alten Crossair, und die Swiss der alten Swissair.
swissinfo: Was steckt dahinter?
S. M.: Der wichtigste Grund besteht darin, der deutschen Piloten-Gewerkschaft Cockpit aus dem Weg zu gehen. Diese will den Schweizer Piloten nicht erlauben, Flugzeuge mit mehr als 100 Sitzen zu lenken.
Setzt sich die Integration von Swiss mit Lufthansa weiter fort, beruft sich Cockpit auf einen Vertrag mit der Lufthansa, wonach mit wenigen Ausnahmen alle grossen Flugzeuge ab 100 Sitzen von Cockpit-Gewerkschafts-Piloten geflogen werden.
Die Frage stellt sich nun, ob Cockpit Swiss European Air Lines als separate Unternehmens-Einheit akzeptieren wird.
swissinfo: Swiss möchte, dass die ehemaligen Crossair-Piloten neue Arbeitsverträge akzeptieren, die weniger attraktive Bedingungen bieten. Wird dieser Streit mit der Schaffung von Swiss European Air Lines gelöst sein?
S. M.: Swiss hat die alten Arbeitsverträge mit den ehemaligen Crossair-Piloten auf Ende Oktober beschränkt. Laut Swiss werden diese Piloten, die für Swiss Europen Air Lines arbeiten, nun ohne Kollektivvertrag fliegen.
Doch dabei wurde möglicherweise ein ehemaliger Entscheid des Bundesgerichts übersehen: Hat ein Unternehmen mehrere Kollektiv-Verträge abgeschlossen, können sich jene Mitarbeiter, deren Kollektiv-Vertrag ausläuft, einem der andern Verträge anschliessen.
Die Swiss-Pilots-Vereinigung, die die ehemaligen Crossair-Piloten repräsentiert, sagt nun, dass ihre Mitglieder auf dasselbe Gehalt und auf dieselben Bedingungen wie die früheren Swissair-Piloten Anrecht haben und dass ihnen vor Ende 2006 nicht gekündigt werden kann.
Swiss Pilots wird mit dieser Forderung sicher vor Gericht gehen, und man wird den Entscheid abwarten müssen.
swissinfo: Swiss sagt, ihre neue Regional-Tochter spare Geld, weil es sich um eine Reorganisation handle.
S. M.: Das ist ein Vorwand. Swiss kann die Löhne der Piloten, die für Swiss European Air Lines fliegen, nicht weiter senken. Die einzige Möglichkeit, Geld zu sparen, liegt im Bereich der ehemaligen Swissair-Piloten, wo einige Leute stark überbezahlt sind.
In diesem Bereich spricht Swiss aber nicht von Sparmassnahmen.
swissinfo: Wie sieht die Zukunft von Swiss nun aus?
S. M.: Swiss möchte eine Tochter-Gesellschaft von Lufthansa werden. Doch dies wird nur dann eintreffen, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind.
So will Lufthansa, dass Swiss 2006 keine Verluste mehr einfliegt und dass für 2007 ein Gewinn absehbar ist. Lufthansa will auch, dass bis Anfang 2007 die Probleme mit den Gewerkschaften gelöst sind.
Ein weiteres Problem, an dem geschmiedet werden muss, ist die Erlaubnis der meisten Länder ausserhalb Europas, inklusive der USA, Swiss unter der Fahne von Lufthansa fliegen zu lassen.
Swiss ist weit hinter ihren Integrations-Fahrplan mit der Lufthansa gefallen. Und einige grosse Enttäuschungen sind deshalb nicht auszuschliessen.
swissinfo-Interview: Matthew Allen
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle)
Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat Swiss European Air Lines ab dem 1. November 2005 grünes Licht gegeben.
Swiss entstand 2002 aus einem Zusammengehen von Swissair und ihrer Regionalfluggesellschaft Crossair. Swissair war 2001 kollabiert.
Seither befindet sich Swiss im Streit mit den Piloten der ehemaligen Crossair, deren Gewerkschaft dieselben Löhne und dieselben Anstellungs-Bedingungen fordert wie die ehemaligen Kollegen der Swissair.
Im März 2005 erklärte Lufthansa, Swiss zu übernehmen.
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