Österreich lockt mit preisgünstigem Fleisch
In der Schweiz ist ein grosser Fleischschmuggel aus Österreich aufgeflogen. Doch dass im Rheintal Fleisch von Österreich in die Schweiz geschmuggelt wird, ist kein Wunder: Am Dienstag (04.09.) kostete bei Migros ein Kilo Schweinefilet 48 Franken, bei Merkur in Dornbirn gut 20 Franken.
Gemäss Eidgenössischer Zollverwaltung hatte eine Bande während Jahren 45 Tonnen Schweinefleisch im Wert von 1,5 Mio. Franken von Österreich in die Schweiz geschmuggelt und im Rheintal billig verkauft – vornehmlich an Wirte.
«In Treu und Glauben»
Josef Müller, Präsident von Gastro St. Gallen, sagte, er mache den Wirten keine Vorwürfe. Nach seinem Wissen hätten diese einem in der Region bekannten Metzger das pro Kilo drei Franken billigere Fleisch in Treu und Glauben abgekauft, weil er es als «Überproduktion Schweizer Grossmetzgereien» deklarierte.
Nur weil die Wirte Buch über ihre Einkäufe geführt hätten, sei das Ausmass des Schmuggels bekannt geworden, sagt Müller. Einen Tag nach dem Bekanntwerden des Millionen-Schmuggels reagierte Müller: Er rief alle Mitglieder von Gastro St. Gallen (Wirteverband) in einem Brief zur Vorsicht beim Fleischeinkauf auf.
Der Preis gibt den Ausschlag
Es würden jeden Tag beträchtliche Mengen Fleisch von Österreich in die Schweiz eingeführt, sagt Jürg Senn, Chef der Zollfahndung in Heerbrugg SG. Der Preis bestimmt den Fleischhandel über die Grenze.
Am Dienstag kostete in den Märkten der Migros Ostschweiz ein Kilo Schweinefilet 48 Franken (M7-Qualität; kontrollierte Haltung). Wenige Kilometer ennet dem Rhein, bei Merkur in Dornbirn, wurden am selben Tag für ein Kilo Schweinfilet 189.90 Schilling bezahlt, was 20.35 Franken entspricht (bei Deklaration der Herkunft der Tiere).
Ohne es verzollen zu müssen, darf pro Person ein halbes Kilo frisches Schweinefleisch in die Schweiz eingeführt werden. Was diese Menge übersteigt, muss teuer verzollt werden: Schweinfleisch beispielsweise mit 23 Franken pro Kilo. Mehr als 20 Kilo müssen gemäss der Zollverwaltung grenztierärztlich kontrolliert werden.
Dass angesichts dieser hohen Abgaben der Fleischschmuggel blüht, verwundert nicht. Zollfahnder Jürg Senn schliesst denn auch eine relativ hohe Dunkelziffer beim Fleischschmuggel nicht aus.
swissinfo und Daniel Wirth (sda)
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