Radikaler Umbau des Sulzer-Konzerns
Der Winterthurer Technologiekonzern Sulzer wird radikal umgebaut. Fünf Geschäfts-Bereiche mit total rund 14'600 Beschäftigten sollen verkauft werden. Weltweit werden rund 300 Stellen abgebaut, die Hälfte davon in der Schweiz.
Die Sulzer Medica fusioniert mit dem Sulzer-Konzern. Wie das Unternehmen am Montag (178.09.) in Winterthur mitteilte, setzt Sulzer künftig ganz auf die Medizinaltechnik sowie auf Oberflächen- und Materialtechnologie.
Die fünf Geschäftsbereiche Infra, Pumpen, Textil, Turbo und Burckhardt werden ausgegliedert.
Grösster Umbau in der Geschichte
Sulzer spricht vom grössten Umbau in der Geschichte des Unternehmens. Die Hälfte des Stellenabbaus betrifft Betriebe in der Schweiz, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Das Unternehmen werde seine soziale Verantwortung gegenüber den Beschäftigten wahrnehmen.
In den letzten Monaten hätten Verwaltungsrat und Konzernleitung von Sulzer den Konzern durchleuchtet. Als Gründe für die insgesamt ungenügende Leistungskraft des Konzerns hätten sich die zu breite Diversifizierung, die starke Tätigkeit in gesättigten und zyklischen Märkten sowie exponierte strategische Positionen in einzelnen Geschäften herauskristallisiert.
Möglichst rasche Ausgliederung angestrebt
Die Ausgliederung der fünf Bereiche Infra, Pumpen, Textil, Turbo und Burckhardt soll möglichst schnell erfolgen, wie es weiter heisst. Als neue Partner kämen vor allem Käufer in Frage, die strategische Absichten verfolgten.
Änderungen sind auch in der Konzernführung geplant: Der heutige Präsident und Delegierte des Verwaltungsrats, Ueli Roost, wird während des Transformationsprozesses den Konzern auch als Vorsitzender der Konzernleitung führen. Fred Kindle, zurzeit Leiter von Sulzer Industries, wird zum Stellvertreter Roosts ernannt. Auf den 1. Januar 2003 will sich Roost auf das Präsidium des Verwaltungsrats konzentrieren. Kindle soll dann den Vorsitz der Konzernleitung übernehmen.
Gewerkschaft kritisiert
Der radikale Umbau des Sulzer-Konzerns stösst bei der Gewerkschaft SMUV auf massive Kritik. Die neue Konzernleitung setze mit ihren Plänen Tausende von Arbeitsplätzen aufs Spiel, teilte der SMUV am Montag mit.
Dies treffe den Industrie- und Werkplatz Schweiz in einer Härte, die für die Industriegeschichte der Schweiz einmalig sei. «Die Beschäftigten von Sulzer werden diesen Kahlschlag so nicht hinnehmen», heisst es in der Mitteilung weiter. Mit der Konzentration auf die Bereiche Medizinaltechnik sowie Oberflächen- und Materialtechnologie wolle der Konzern sämtliche Bereiche abstossen, die gemessen an einer sehr hohen Profitabilität unterdurchschnittliche Renditen abwerfen.
swissinfo und Agenturen
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