Schweizer Beziehung zum Euro
In rund fünf Monaten ist die Schweiz währungs-technisch gesehen umzingelt - eine Insel im Euro-Meer. Dass diese Insel stark genug ist, den Euro-Stürmen zu widerstehen, wird sich erweisen müssen.
Ist der Euro zum Dollar schwach, steht der Franken unter Aufwertungs-Druck, was der exportorientierten Schweizer Wirtschaft wehtut. Kann die EU-Währung aber dem Dollar trotzen, so die Einschätzung Schweizer Währungsexperten, wird das bewährte Spiel der Angleichung Euro/Franken fortgesetzt, bis zu einer später möglichen Verschmelzung, sprich: einem Schweizer Euro-Beitritt.
Wie auch immer, die Beziehung zwischen Franken und Euro werde eng und innig, sagen Experten voraus.
Dem Euro gegenüber gleichgültig
Eine so starke Ablehnungsfront gegen den Euro, wie etwa in Grossbritannien oder Dänemark gibt es in der Schweiz nicht. Den Franken gegen den Euro einzutauschen, könnten sich immerhin mehr als die Hälfte der Schweizer vorstellen.
In der derzeit besonders auf dem Finanzsektor boomenden Westschweiz um Genf sogar fast zwei Drittel. Da zeigt sich das pragmatische Verhältnis der Schweizer zum Geld, wohingegen ein EU-Beitritt nach lange keine Mehrheit fände.
Berg und Tal des Franken?
Währungsexperten halten fest, dass der im Verhältnis zum Euro starke Franken nur geringfügig schwanke. Wie die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt, seien Analysten Schweizer Großbanken der Ansicht, dass sich dies auch bei einer Festigung des Euro kaum ändern würde.
So sei etwa die Teuerung in der Schweiz geringer als im Euro-Raum, und Produktivitäts-Steigerungen der Schweizer Wirtschaft glichen die negativen Effekte der Franken-Aufwertung für die Exporte aus. Andere gehen allerdings davon aus, dass der Franken tendenziell überbewertet zum Euro sei. Festige sich der Euro, werde der Franken nachgeben.
Diese künftige Festigung des Euro gehört zur festen Überzeugung vieler Schweizer Währungsexperten. Da sich die Preistransparenz mit der Einführung des Euro als Bargeld erhöhe, der Wettbewerb sich verstärke, gerate die EU-Wirtschaft erneut unter Anpassungsdruck.
Die berühmte Bandbreite
Langfristig bedeute dies, nach einem Tal der Tränen dann einen Wachstumsschub. Der Euro werde sich auch gegenüber dem Dollar festigen. Die Schweizerische Nationalbank sieht offenbar schon jetzt den Franken in einer Bandbreite zum Euro und ist bereit einzugreifen, wenn er den fiktiven Spielraum zu verlassen droht.
Die Schweizer Wirtschaft geht da noch weiter: Sie will Umfragen zufolge verstärkt Rechnungen in Euro ausstellen, Dienstleistungsbetriebe wie etwa die Tourismusbranche wollen Euro und Franken nebeneinander stellen zwecks Preisvergleichs. Und die großen Supermarktketten haben bereits angekündigt, in ihren Kassen neben dem Franken auch Platz für den Euro bereit zu halten.
Wann kommt der Euro in die Schweiz?
Bleibt also die Frage, wann die Schweiz dem Euro beitritt. Die Analysten sind sich ziemlich einig, dass die Eidgenossen die letzten sein werden, die auf den Zug aufspringen – also nach den Briten, Dänen oder Schweden.
Als Zielmarke werden derzeit in den Medien 10 Jahre bis zu einem EU-Beitritt genannt. Je stärker der Euro desto einfacher dürfte ein Beitritt werden. Und desto eher könnte man den Schweizer Bürger, die Schweizer Bürgerin für eine EU-Mitgliedschaft gewinnen, wird spekuliert.
swissinfo und Heinz-Peter Dietrich dpa
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