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Spekulationen verfliegen nicht so rasch

Bei der Swissair bleibt (vorläufig) alles beim alten. Keystone

Der Verwaltungsrat der SAirGroup hat an seiner mit Spannung erwarteten Sitzung vom Mittwoch (22.11.) keine strategischen Entscheide gefällt. Solche seien entgegen den Spekulationen der Öffentlichkeit auch nie vorgesehen gewesen.

Laut Philipp Bruggisser wird die Swissair «eine lange Zukunft im Herzen der SairGroup» haben. Der SAir-Group-Chef sagte dies im Genfer Flughafen nach einem Treffen mit dem belgischen König Albert II.

Und Verwaltungsratspräsident Eric Honegger wird in einem Communiqué zitiert: «Ein Verkauf der Swissair stand und steht nicht zur Diskussion». Die SAirGroup hält an ihrem Kerngeschäft des Fliegens fest.

Der SAir-Verwaltungsrat überprüfe laufend das sich ständig verändernde Umfeld im Airlines-Bereich sowie die strategischen Optionen, hiesst es weiter. Dazu habe er auch am Mittwoch Chancen und Risiken alternativer Szenarien abgewogen.

Grosser Druck lastet auf Airlines

Das höchste SAir-Gremium räumt indessen Schwierigkeiten ein. «In der gegenwärtigen Konsolidierungs-Phase lastet ein grosser Druck auf den Airlines», schreibt die SAir. Dieser werde zusätzlich akzentuiert durch hohe Treibstoff-Kosten, einen hohen Dollarkurs und einen anhaltenden Margenzerfall.

Angesichts dieser Situation zeigte der Verwaltungsrat gemäss der Mitteilung Verständnis für die öffentlichen Mutmassungen. In den letzten Tagen war über einen Verkauf des Fluggeschäfts, über neue Allianzen und über Börsengänge von SAir-Töchtern spekuliert worden.

«Sieg für Bruggisser»

Branchenkenner gehen von harten Auseinandersetzungen im Verwaltungsrat aus. «Dies zeigt sich allein schon an der Länge der ganztägigen Sitzung», erklärte Dieter Winet von der Bank Pictet. Dabei sei Konzernchef Philippe Bruggisser als Sieger aus dem Seilziehen hervorgegangen.

Überrascht sind die befragten Analysten nicht. «Ein Verkauf der Swissair hätte keinen Sinn gemacht», sagte Cyrill Moser von UBS Warburg. Er geht allerdings davon aus, dass die Swissair in Zukunft einen stärkeren Partner benötigt.

Fluggeschäft bringt Verluste

Die Strategie von SAir-Chef Philippe Bruggisser ist in den vergangenen Monaten zunehmend unter Druck geraten. Das Fluggeschäft bringt Verluste, die Akquisitions-Strategie im Rahmen der Qualiflyer-Gruppe reisst Millionenlöcher in die SAir-Kassen.

Entsprechend ist der Börsenkurs des Unternehmens auf scharfem Sinkflug. Seit Anfang Jahr haben die Aktien zeitweise um bis zu 30 Prozent an Wert verloren. Mit einem Börsenwert von rund 3 Mrd. Franken ist die Gesellschaft – gemessen an der Substanz – massiv unterbewertet.

Unveränderte «Hunter-Strategie»

Keine grundsätzliche Änderung brachte der Verwaltungsrat am Mittwoch auch an Bruggissers «Hunter-Strategie» an, die zunehmend auf Kritik stiess. Gemäss dieser Strategie beteiligt sich die SAir an kleinen, angeschlagenen Airlines, um mit ihnen in Europa die Flugallianz Qualiflyer als eigenständige Kraft zwischen den dominierenden weltumspannenden Allianzen wie Star Alliance und OneWorld zu etablieren.

Dabei haben die Engagements bei den happige Verluste schreibenden französischen Air Littoral, Air Liberté und AOM, bei der belgischen Sabena sowie beim deutschen Ferienflieger LTU Hunderte von Millionen Franken verschlungen und werden dies weiterhin tun.

SAir-Aktien fallen an Schweizer Börse um 5 Prozent

Die Aktien der SAirGroup sind am Donnerstag an der Schweizer Börse SWX zur Eröffnung um knapp 5 Prozent abgesackt. SAir fielen bereits kurz nach Handelsbeginn um über 4 Prozent und notierten nach gut 15 Minuten 4,99 Prozent tiefer mit 247,50 Franken.

swissinfo und Agenturen

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