Sulzer-Aktien im Abwind
Einen Tag nach dem gescheiterten Übernahme-Versuch sind die Aktien des Sulzer-Konzerns massiv eingebrochen. Die Händler bezweifeln, ob das alte Management die nötigen Reformen umsetzen kann. In den USA drohen Sulzer-Medica zudem teure Klagen.
Am Tag nach erfolgreich geschlagener Abwehrschlacht erhielten die Sulzer-Namenaktien im Handel an der Börse zunächst Aufwind: Der Titel wurde bei Eröffnung am Freitag (20.04.) zunächst 32 Franken höher gehandelt als am vergangenen Mittwoch. Im Verlauf des Tages verlor die Aktie stetig an Wert und lag bei Börsenschluss mit 935 Franken sieben Prozent oder 71 Franken tiefer als bei Handelsbeginn.
Massive an Wert eingebüsst haben am Freitag die Aktien der Sulzer-Medica. Diese verharrten bei Eröffnung zunächst auf dem Vortagesniveau von 347 Franken, brachen dann aber im Tagesverlauf deutlich um 13 Prozent auf 301, 50 Franken ein.
Börse skeptisch
Händler und Analysten zeigten sich von der Kursentwicklung nicht überrascht. Zum einen hiess es, sei die spekulative Blase um den Sulzer-Konzern nach der Abwehr der Übernahmeattacke des Financiers René Braginsky geplatzt. Auch werde bezweifelt, ob die von der Konzern-Spitze angekündigten Restrukturierungen schnell durchgezogen werden könnten.
Unsicherheit beherrscht auch die Zukunft von Sulzer Medica: Der bisherige Medizinaltechnik-Bereich des Sulzerkonzerns soll gemäss GV-Beschluss als unabhängige Unternehmung an die Börse gebracht werden. Doch in den USA lauert Unbill: Wie die Wirtschaftszeitschrift «Cash» berichtete, muss Medica neben Klagen wegen fehlerhafter Hüftgelenk-Prothesen auf Schadenersatz nun auch mit Strafzuschlag wegen fahrlässigen Verhaltens rechnen. Solche Bussen könnten Unsummen verschlingen. Sulzer bestätigte das Einreichen solcher Klagen gegen Medica in den USA.
Sulzer-Übernahme-Kampf noch nicht ausgestanden
Noch offen ist, was René Braginsky und seine InCentive Capital mit ihrer noch bis am 22. Mai laufenden Übernahmeofferte an die Sulzer-Aktionäre vor hat. Nach der Generalversammlung tönte er an, dass die Offerte zurück gezogen werden könnte.
Die Sulzer-Aktionäre hatten am Donnerstag seine unfreundliche Attacke auf die Sulzer-Führung klar abgewiesen: Die Abwahl des derzeitigen Verwaltungsrates unter Leonardo Vannotti sowie weitere Anträge des Braginsky-Lagers waren deutlich verworfen worden.
swissinfo und Agenturen
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