Sulzer-Konzern wird radikal umgebaut
Der Winterthurer Sulzer-Konzern plant den grössten Umbau seiner Geschichte. Er verkauft einen Grossteil seines Industriegeschäfts mit insgesamt 14'600 Beschäftigten und konzentriert sich ausschliesslich auf die Medizinal- und Materialtechnolgie.
Bei Sulzer bleibt kein Stein auf dem anderen. Noch bevor die zuletzt eingeleiteten Restrukturierungen umgesetzt sind, stellte die Konzernspitze am Montag (18.09.) in Winterthur eine neue Konzernstrategie vor. Damit geht der grösste Umbau in der Geschichte des Konzerns einher, wie der seit fünf Monaten amtierende Sulzer-Präsident Ueli Roost sagte.
Sulzer will die fünf Konzernbereiche Infra, Pumpen, Textil, Turbo und Burckhardt verkaufen und sich künftig auf die drei Bereiche Medizinaltechnik, Oberflächen- und Materialtechnologie sowie neue Geschäftsfelder konzentrieren.
Der Sulzer-Konzern soll mit Sulzer Medica fusioniert werden.
Für die Beschäftigten hat dieser Ausverkauf einschneidende Konsequenzen. 14’600 von insgesamt gut 20’000 Angestellten müssen den Konzern verlassen. Allein in der Schweiz sind 4’400 von 6’200 Arbeitsplätzen betroffen. Durch die Zusammenlegung des Sulzer-Konzerns mit Sulzer Medica gehen 300 Stellen verloren, die Hälfte in der Schweiz. Roost begründete den Totalumbau unter anderem mit der ungenügenden Ertragskraft und dem zu geringen Wachstum des Konzerns, einer zu starken Diversifizierung, einer unklaren Konzernausrichtung und der komplexen Dualstruktur.
65 Prozent des Umsatzes vom Verkauf betroffen
Durch den Verkauf der fünf Konzernteile stösst Sulzer 65 Prozent des heutigen Umsatzes von gut 5,5 Mrd. Franken, aber lediglich 25 Prozent des Betriebsgewinns ab. Die zu verkaufenden Bereiche sollen laut Roost nicht verschleudert, sondern an Unternehmen mit klarer Strategie verkauft werden. «Ich bin fest davon überzeugt, dass den Beschäftigten damit langfristig eine bessere Zukunft geboten werden kann», sagte er. Erste Verkaufsgespräche seien im Gange.
Der Ausverkauf soll mindestens eine Milliarde Franken einbringen. Insgesamt stünden damit bis zu 2,5 Mrd. Franken für Akquisitionen von zukunftsorientierten Geschäften mit hoher Wertschöpfung zur Verfügung. Sulzer will den Umsatz innerhalb von zwei Jahren verdoppeln und rund 10’000 neue Angestellte übernehmen. Minimalziel der einzelnen Geschäftsbereiche sei eine operative Marge von 15 Prozent. Der gesamte Konzernumbau der auch operativ von Roost durchgezogen wird, soll 2002 abgeschlossen werden.
Scharfer Protest der Gewerkschaften
Anders als die Sulzer-Konzernspitze schätzen die Gewerkschaften den Totalumbau ein. «Die Pläne stellen die Umsetzung einer Shareholder-Strategie dar, wie sie im Lehrbuch steht», sagte Andre Daguet, Mitglied der Geschäftsleitung der Gewerkschaft Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen (SMUV). Es bestehe die grosse Gefahr, dass ein Grossteil der Arbeitsplätze verloren gingen.
Die am Sonntag mit den Umbauplänen konfrontierten Gewerkschaften fordern eine Vereinbarung über den Erhalt der Arbeitsplätze, Mitspracherecht und eine Überprüfung der Sulzer-Pläne. Der Verband der Angestellten in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (VSAM) sprach davon, dass es bei dem Umbau einzig um die Liquidierung von Sulzer Industries gehe.
An der Schweizer Börse schnellte der Kurs der Sulzer-Medica-Aktien in die Höhe. Der Titel legte vorübergehend fast 14 Prozent zu, büsste einen Teil der Gewinne aber wieder ein.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch