Sulzer Medica: Versicherungs-Schutz reicht nicht
Bei Sulzer laufen die Vorbereitungen für die Abspaltung von Sulzer Medica planmässig. Sulzer Medica allerdings müsse "bluten", erklärte Chef Max Link. Personelle Konsequenzen würden folgen.
Die Ablösung von Sulzer Medica laufe nach Plan, sagte Fred Kindle, Geschäftsleiter des zu Sulzer gehörenden Bereichs Sulzer Industries, in einem Interview mit der Zeitung «Finanz & Wirtschaft». Zum heutigen Zeitpunkt gebe es keinen Grund anzunehmen, dass das vorgesehene Datum vom 10. Juli gefährdet sei. Zudem würden die Rechtsberater von Sulzer die Wahrscheinlichkeit als «sehr gering» einstufen, dass die Sulzer AG für die Risiken der Medica haften müsse.
Sulzer Medica «muss bluten»
Sulzer-Medica-Chef Max Link sagte derweil in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin «Facts», dass Sulzer Medica «bluten müsse». Die Anzahl Patienten mit re-operierten Hüftgelenken der Sulzer Medica hat sich mittlerweile auf 2’000 erhöht. Doch sieht Link die Zukunft des Unternehmens nicht durch die Prozesswelle in den USA gefährdet: «Auch die Kläger sind daran interessiert, dass wir überleben, sonst erhalten sie ihr Geld nicht.»
Der Versicherungsschutz für die schadhaften Implantate wird laut Link jedoch nicht ausreichen. Die Höhe der Versicherungssumme wollte Link aber nicht nennen: «Dazu kann ich aus verhandlungstaktischen Gründen nichts sagen.»
Analysten schätzen den Betrag auf höchstens 500 Mio. Franken. Link geht davon aus, dass die Kosten durch den laufenden Cash-flow gedeckt werden können.
Zwar habe er keinen allgemeinen Investitions-Stopp verfügt, in den USA jedoch den Neubau einer Fabrik abgeblasen. Das Unternehmen habe an Glaubwürdigkeit verloren, räumte Link ein.
Sulzer Medica werde jedenfalls für die schadhaften Implantate geradestehen, «und die Verantwortlichen müssen das auch», sagte Link weiter. Verantwortlichkeitsklagen schloss der Sulzer-Medica-Chef zwar aus, «aber personelle Konsequenzen werden nicht ausbleiben», prophezeite er.
Link gestand auch ein, dass Sulzer Medica bereits Einbussen verkraften musste: «Wir haben in den USA bis jetzt 15 Prozent unserer Kunden verloren.» In Europa laufe das Geschäft jedoch «blendend», sagte er.
swissinfo und Agenturen
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