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Swissair-Aktien im freien Fall

Swissair-Aktien sind beinahe wertlos. Keystone Archive

Die Aktie des Flugkonzerns Swissair Group ist am Mittwoch nach Wiederaufnahme des Handels um 96% auf 1,27 Franken abgestürzt. Weil die Banken am Dienstag die Swissair zu spät mit liquiden Mitteln versorgten, bleiben die Swissair-Flugzeuge auch am Mittwoch am Boden.

Am Montag und Dienstag waren die Wertpapiere vom Handel ausgesetzt. Die Aktien der Flughafen-Betreiberin Unique bleiben am Mittwochmorgen ausgesetzt. Der Handel werde um 12.00 Uhr wieder aufgenommen, teilte die Schweizer Börse SWX mit.

Cash kam zu spät

Die Banken UBS und CS haben der Swissair die zugesagten 250 Mio. Franken am Dienstagabend überwiesen. Dennoch bleiben die Flugzeuge auch am Mittwoch am Boden, die Betriebsaufnahme sei nicht so einfach, sagte Swissair-Konzernchef Mario Corti.

Die Situation sei eine Katastrophe für alle Beteiligten, erklärte er am Dienstagabend in der Tagesschau des Schweizer Fernsehens. Er habe am Dienstag intensiv mit den Banken verhandelt. Aber den nötigen Vorschuss nicht erhalten.

Alberto Togni, Vizepräsident des UBS-Verwaltungsrates, sagte derweil in der Sendung «10 vor 10», die UBS habe ihr Möglichstes getan.

Über das Flugprogramm vom Donnerstag will die Swissair am Mittwoch entscheiden. Sie rät ihren Kunden, auf andere Airlines auszuweichen.

Tausende sassen fest

Weil die Mineralöl-Gesellschaften Flugbenzin nur noch gegen Vorauszahlung liefern wollten, blieben am Dienstag Hunderte von Flugzeugen am Boden. Tausende von Passagieren sassen in Kloten fest, rund 19’000 Passagiere weltweit.

Auf dem Flughafen herrschten chaotische Zustände. Die meisten anderen Airlines nahmen keine Swissair-Tickets zur Umbuchung an. Da sich die Swissair in Nachlass-Stundung befinde, sei es ihr nicht möglich, für diese Ausgaben aufzukommen.

Mehr Stellen in Gefahr

Die Stilllegung des Flugbetriebes dürfte nun weit mehr Stellen kosten, als noch am Montag angekündigt worden war. Swissair sprach am Dienstag von «mehreren tausend Stellen», die in Gefahr seien. Im Flugbereich sind 7300 Menschen beschäftigt.

Auch Unique betroffen

Auch der Unique Flughafen Zürich beklagt Ausfälle: Für die Betreibergesellschaft bedeute eine Woche Stilllegung der Swissair- Flotte eine Umsatzeinbusse von 10 bis 12 Mio. Franken.

Vorübergehende Ausfälle könnten ohne Entlassungen überbrückt werden. Bereits vor zwei Wochen war ein Personal- und Investitionsstopp verfügt worden.

Bundesrat empört

Der Bundesrat zeigte sich enttäuscht von den Banken. UBS und CS hätten die klare Aufforderung der Landesregierung missachtet, sagten Bundespräsident Moritz Leuenberger und Finanzminister Kaspar Villiger am Dienstag im Bundeshaus.

Ein kontinuierlicher Betrieb der Swissair bis zur Übernahme durch die Crossair hätte im grössten Interesse der Wirtschaft und des Images der Schweiz gelegen, sagte Leuenberger.

Finanzminister Villiger erklärte, der Bundesrat wäre bereit gewesen, für die kurzfristige Weiterführung des Flugbetriebs die Hälfte eines Überbrückungs-Kredites von 250 Mio. Franken noch in dieser Session ins Parlament zu bringen.


UBS-Chef Marcel Ospel sei auf dieses Angebot nicht eingegangen und sei für den Bundesrat am Dienstagvormittag nicht einmal erreichbar gewesen. Der Bundesrat appelliere an die Banken, ihre Position zu überdenken. Die Fraktionen der Eidgenössischen Räte forderten ebenfalls ein stärkeres Engagement der Banken.

Bombendrohung gegen UBS

Der UBS-Hauptsitz an der Zürcher Bahnhofstrasse ist am Mittwochmorgen nach einer Bombendrohung kurzzeitig evakuiert worden. Wie die Stadtpolizei nach der Durchsuchung des Gebäudes mitteilte, handelte es sich um einen Fehlalarm.

swissinfo und Agenturen

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