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Swissair fliegt wieder in die USA

Wegen akribischen Kontrollen müssen Reisende in die USA auf dem Flughafen Zürich lange Wartezeiten durchlaufen. Keystone

Die Swissair hat am Samstag ihre Flüge in die USA wieder aufgenommen. Um 14.06 Uhr startete als erstes Flug SR 106 nach Los Angeles. Die MD-11 hatte 178 Passagiere an Bord. Gegenüber dem Flugplan hatte sie gut vier Stunden Verspätung.

Die erhöhten Sicherheitsauflagen der US-Luftfahrtbehörde FAA bedingten akribische Kontrollen von Passagieren und Gepäck, die zu stundenlangen Verspätungen für alle USA-Flüge führten.

«Jedes Gepäckstück muss einzeln kontrolliert werden, sowohl Reisegepäck wie Handgepäck», sagte Swissair-Sprecher Urs Peter Naef. Die Eincheckzeit würde sich deshalb über rund drei Stunden hinziehen.

Die Swissair hatte am Freitagabend die Bewilligung für die Wiederaufnahme der Flugverbindungen erhalten. Nach den Terroranschlägen in den USA vom Dienstag musste die Airline in den letzten Tagen alle USA-Flüge annullieren.

Auch vom Flughafen Genf aus sollte um 12.15 Uhr eine Maschine in Richtung New York starten, aber auch hier führten die Spezial- Sicherheitsauflagen zu stundenlangen Verspätungen. Hier sorgten zudem Protestaktionen des Personals gegen Personalabbaupläne der Swissair für weitere Verzögerungen.

Happige Einbussen

Die Störung des Luftverkehrs kommt die Fluggesellschaften teuer zu stehen. Bereits nach einer Woche, in der die Swissair 60 Flüge streichen musste, rechnet Britta Simon, Analystin bei der Bank Sarasin, mit möglichen finanziellen Einbussen von über 5 Mio. Franken für den Flugkonzern.

Nach Ansicht von Gottardo-Analystin Orler könnten auf Grund der annullierten Flüge sogar Ausfälle von über 10 Mio. Franken entstehen. Sie wies auf die bestehenden Fixkosten für Personal und Flugzeuge, auf Mehraufwendungen für die Sicherheit und die Kosten der Unterbringung tausender wartender Passagiere.

Zudem müsse die Fluggesellschaft in den nächsten Wochen mit einer verminderten Auslastung rechnen, selbst wenn die USA wieder eine uneingeschränkte Landeerlaubnis erteilten. Geschäftsleute und Touristen würden voraussichtlich in der nächsten Zeit weniger Flüge buchen. Die Swissair hat nach Angaben vom Donnerstag allerdings noch keine Einbussen bei den Buchungen verzeichnet.

Swissair: «Von Konkurs keine Rede»

Die neuen Probleme machen die Situation der mit einer hohen Verschuldung kämpfenden Swissair Group noch schwieriger. Immerhin machten die Flüge in die USA sowie in den Nahen und Mittleren Osten rund 30 Prozent des Swissair-Flugverkehrs aus, sagte Orler. Sehr ernst sei die Lage insbesondere, weil der Konzern kaum mehr über Reserven verfüge.

Die Swissair machte keine Angaben zu den Einbussen seit den Anschlägen vom Dienstag. «Wir können die Schäden noch nicht beziffern», sagte Pressechef Rainer Meier auf Anfrage.

«Von einem Konkurs kann aber keine Rede sein», hielt Meier fest. Die Swissair Group werde Ende 2002 plangemäss alle ihre nicht gesicherten Bankschulden zurückzahlen.

Die Nettoverschuldung der Swissair Group betrug Ende Juni rund 15 Mrd. Franken, das Eigenkapital nur noch 555 Mio. Franken. Mit Verkäufen von Tochterfirmen will Konzernchef Mario Corti in den nächsten 18 Monaten Finanzmittel von 4,5 Mrd. Franken freimachen.

An der Börse brach der Kurs der Swissair-Aktien auch am Freitag weiter ein. Kurz nach Mittag fiel er auf ein neues Allzeittief von 57,75 Franken. Bis zum Handelsschluss erholte er sich leicht auf 58,5 Franken. Der Kurs lag damit um 5% unter dem Vortag.

Branche erwartet Verlust von 10 Mrd. Dollar

Der Luftfahrt-Verband IATA erwartet weltweit massive finanzielle Belastungen auf Grund der Terrorakte. Allein die unmittelbaren Einbussen für die Branche durch Umsatzausfälle und Zusatzkosten schätzt der Verband auf 10 Mrd. Dollar. Er stellte Rekordverluste für Flugesellschaften in Aussicht. Die amerikanische Midway Airways hat bereits den Konkurs angemeldet.

Die Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney sagte am Donnerstag in einer Branchenstudie einen «katastrophalen Effekt» auf die Gewinnsituation der europäischen Fluggesellschaften voraus. Auf Grund zunehmender Ängste vor Entführungen und Anschlägen könne die Nachfrage um bis zu 20% abnehmen.

swissinfo und Agenturen

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