Telekommunikation: Gewerkschaft fordert einheitliche Arbeitsbedingungen
Die Gewerkschaft Kommunikation fordert gleich lange Spiesse für alle Beschäftigten in der Telekommunikation. Der im Herbst mit der Swisscom ausgehandelte Gesamtarbeitsvertrag (GAV) sollte für die ganze Branche allgemeinverbindlich erklärt werden.
Die Gewerkschaft richtet einen entsprechenden Appell an den Bundesrat. Die ganze Branche müsse in den Genuss klar definierter Arbeitsbedingungen kommen, um etwa die Löhne nicht dem freien Fall auszusetzen. Dies teilte die Gewerkschaft Kommunikation am Dienstag (12.12.) mit.
Über 6000 Beschäftigte ohne GAV
Bei der Swisscom seien rund 95 Prozent der 17’000 Beschäftigten dem neuen GAV unterstellt, sagte Giorgio Pardini, Zentralsekretär Branche Telecom der Gewerkschaft Kommunikation. Rund 6’000 bis 7’000 Personen in der Branche seien keinem GAV unterstellt.
Das sei stossend. «Wir können nicht die Swisscom zu einer sozialen Haltung verpflichten, während die Konkurrenz nichts macht und damit einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil erhält», sagte Zentralpräsident Otto Dietiker vor den Medien in Bern.
Druck von zwei Seiten
Derzeit habe die Gewerkschaft keine Möglichkeit, die Branche zu verpflichten. Mit zwei Massnahmen will sie die Firmen nun in die Zange nehmen. Der Bundesrat müsse den Swisscom-GAV, der am 1. Januar 2001 in Kraft tritt, allgemeinverbindlich erklären.
Ferner will die Gewerkschaft Druck aufsetzen, dass die Vergabe der UMTS-Mobilfunklizenzen an Bedingungen geknüpft wird. Bei der Konzessionserteilung müssten sich die Firmen schriftlich verpflichten, branchenübliche GAV-Standards einzuhalten.
Übergangslösung nötig
Ein GAV für die ganze Branche setze die Existenz eines Arbeitgeberverbandes voraus. Zwar gebe es erste Anzeichen dafür, dass ein solcher Verband entstehe. Solange dies aber noch nicht der Fall sei, brauche es eine Übergangslösung.
Die Gewerkschaft Kommunikation setzt sich für den Abschluss eines «Anschlussvertrages» ein, der Sunrise/diAx und Orange, aber auch andere Anbieter und Call Centers verpflichten würde, sich an die im Swisscom-GAV garantierten Mindeststandards zu halten.
Der Weg dahin könnte lang und schwierig werden, so Alain Carrupt, stellvertretender Generalsekretär der Gewerkschaft Kommunikation. Erste Kontakte mit den betroffenen Unternehmen hätten gezeigt, dass nur wenig Dialogbereitschaft bestehe.
Branche: Sturm im Wasserglas
Verwundert über das Vorpreschen der Gewerkschaft zeigte sich Sunrise/diAx-Sprecher Stephan Howeg. Die Belegschaft sei zufrieden. Sollten die Mitarbeiter dennoch den Wunsch haben, sich einem GAV anschliessen zu wollen, so sei Sunrise/diAx offen für Gespräche.
Dass die Gewerkschaft einen freien Fall der Löhne befürchtet, löst bei Howeg Kopfschütteln aus. Der Arbeitsmarkt in der Telekommunikation sei schon jetzt völlig ausgetrocknet. Der Markteintritt von Telefonica werde die Lage weiter verschärfen.
Dialogbereit zeigte sich auch Orange. Erste Gespräche zwischen dem Mobiltelefonie-Anbieter und den Gewerschaften dürften Anfang 2001 aufgenommen werden, sagte Orange-Sprecherin Therese Wenger.
swissinfo und Agenturen
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