Unrentabler Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft
Die Zulassung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in der Landwirtschaft führt gemäss WWF-Studie zu Mehrkosten für Bauern und Staat. Ausserdem sei ein Nebeneinander von Betrieben mit und ohne GVO nicht realisierbar.
Im Hinblick auf die Gen-Lex-Debatte in den eidgenössischen Räten hatte der WWF Schweiz eine Studie in Auftrag gegeben, die am Beispiel von Raps, Mais, Weizen, Milch, Kartoffeln und Schweinefleisch untersuchte, wie sich die Kosten bei einer GVO-Zulassung entwickeln.
Diese Studie, die am Dienstag (09.05.) in Bern vorgestellt wurde, berücksichtigte folgende drei Szenarien: den konsequenten Verzicht auf GVO in der Schweiz, eine mehrheitlich gentechfreie Produktion und eine vorwiegend auf gentechnisch veränderten Organismen basierende Produktion.
Teureres Saatgut
Beträchtlich teurer wird gemäss der vom Büro Ernst Basler und Partner durchgeführten Studie die gentechfreie Produktion. Abgesehen vom teureren Saatgut sind auch aufwändige Kontrollen zu finanzieren.
GVO-Betriebe dürften zwar bedingt durch den geringeren Einsatz an Pflanzenschutzmitteln Kosten einsparen. Sie müssten aber laut WWF mit Mehrkosten rechnen wegen des erhöhten Kontroll- und Deklarationsaufwandes. Weiter hätten sie gemäss Verursacherprinzip die Kosten zur Verhinderung einer Auskreuzung zu tragen.
Mehrkosten ergeben sich auch für die Allgemeinheit, so der WWF. Der Administrationsaufwand für Bewilligungen und Kontrollen, die Kosten für Forschung, Information sowie Langzeitmonitoring nehmen je nach Anzahl Zulassungsgesuche zu.
Unterstützung für Moratorium
Die Ergebnisse der Studie bestärken den WWF in seiner Forderung für ein Moratorium für die kommerzielle Nutzung von GVO in der Landwirtschaft. Ein Nebeneinander sei zudem in der kleinräumigen Schweizer Landwirtschaft wegen der Gefahr der Verunreinigung durch Gentech-Pollen nur mit grossem Aufwand möglich.
Unterstützung erhält der WWF von Bauern- und Konsumentenorganisationen. Die Zulassung von GVO hätte totalitäre Konsequenzen für die ganze Landwirtschaft, sagte der Neuenburger Nationalrat Fernand Cuche als Vertreter der Union des producteurs suisses. Es genügten Insekten oder ein Sturm, um GVO-Pollen in gentechfreie Felder zu transportieren.
Preiserhöhungen könne die Schweizer Landwirtschaft im Konkurrenzkampf am wenigsten brauchen, sagte die Konsumentenschützerin und Berner SP-Nationalrätin Simonetta Sommaruga. Schweizer Produkte könnten sich nur als natürliche, ökologisch und tiergerecht produzierte Lebensmittel im europäischen Markt behaupten. Dies sei mit dem Einsatz von Gentechnik nicht vereinbar.
In die gleiche Kerbe haut der Schweizerische Bauernverband (SBV). Mit dem GVO-Verzicht sei es möglich, einen qualitativen Wettbewerbsvorteil zu erzielen, heisst es in einem Communiqué. Der SBV hatte sich Ende April für ein Moratorium bis 2010 ausgesprochen.
Befremdet über die WWF-Studie zeigten sich InterNutrition und Gen Suisse in ihrer Stellungnahme. Die Studie sei tendenziös, einseitig und unwissenschaftlich.
Die Gen-Lex-Vorlage wird voraussichtlich im Herbst 2000 in der Kleinen Kammer, dem Ständerat erstmals diskutiert. Der Bundesrat selbst schlägt eine strenges Bewilligungsverfahren vor, ist aber gegen ein Moratorium oder ein Verbot.
swissinfo und Agenturen
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