Wolken von Spekulationen um die Swissair
In Zürich findet am Mittwoch (22.11.) eine mit Spannung erwartete Verwaltungsratssitzung des Schweizer Luftfahrtkonzerns SAir statt. Dabei geht es um die Zukunft der Tochter Swissair, die im ersten Halbjahr herbe Verluste eingeflogen hat.
Neue Allianzen oder gar ein Verkauf des Fluggeschäftes gelten als unwahrscheinlich. Einige Mitglieder des Aufsichtsgremiums sollen sich aber dafür ausgesprochen haben, die nationale Fluggesellschaft teilweise zu verkaufen. Im Gespräch waren Lufthansa, British Airways und American Airlines.
Um finanzielle Engpässe zu vermeiden, könnte der Verwaltungsrat auch gezwungen sein, die erfolgreichen SAir-Töchter Fracht und Catering an die Börse zu bringen.
Viele Probleme – wo ist der Ausweg?
Die SAirGroup-Führung sieht sich mit einem Korb von Problemen konfrontiert. Hohe Treibstoffkosten sorgten im operativen Fluggeschäft für rote Zahlen. Die Qualiflyer-Strategie von Konzernchef Philippe Bruggisser mit der Beteiligung an kleineren, meist finanzschwachen europäischen Airlines hat bislang primär Kosten verursacht.
Nicht besser sieht es in Belgien aus, wo die Sabena im ersten Halbjahr 2000 einen Verlust von rund 130 Mio. Franken eingeflogen hat. In Frankreich hat die SAir in die Fusion der Air Littoral, Air Liberté und AOM zur Nummer zwei hinter der Air France bereits hunderte von Millionen investiert.
Analysten warnen vor zu hohen Erwartungen
Analysten warnen vor zu hohen Erwartungen: «Die SAir Group wird wahrscheinlich an ihrer bisherigen Qualiflyer-Strategie festhalten», erklärte Patrick Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank. Allerdings stehe sie in diesem Fall vor einem Finanzierungsproblem.
Um dieses zu lösen, sei denkbar, dass die SAir entweder einen künftigen Börsengang von Tochterunternehmen wie Gate Gourmet oder Swissôtel ins Auge fasse oder eine Annäherung an einen grösseren Partner wie beispielsweise American Airlines vorspure.
Andere Branchenkenner geben einer selbständigen Swissair längerfristig nur wenig Chancen. Nach Ansicht von Britta Simon, Analystin der Bank Sarasin, sollte die Swissair erst konsolidiert und dann in ein bis zwei Jahren abgespalten und in eine grosse Allianz, am ehesten in OneWorld, eingebracht werden.
Allerdings hätte der Verkauf der Swissair auch gravierende Nachteile. Befragte Analysten wiesen darauf hin, dass die flugnahen Geschäftsbereiche wie Catering oder Informatik auf dem Geschäft mit der Swissair basierten und von ihr stark profitierten.
Bruggisser in Belgien
Während in der Schweiz heftig diskutiert und spekuliert wird, ist SAir-Chef Philippe Bruggisser am Dienstag (21.11.) mit Gewerkschafts-Vertretern der belgischen Fluggesellschaft Sabena zusammengetroffen. Thema war das Restrukturierungsprogramm «Blue Sky», mit dem Sabena rund 570 Mio. Franken einsparen will.
SAir will seinen derzeitigen Anteil an Sabena von 49,5 Prozent auf 85 Prozent aufstocken. Der vom Sabena-Verwaltungsrat vor kurzem beschlossene Restrukturierungsplan «Blue Sky» sieht neben der Streichung von Flügen einen Abbau von 400 bis 500 Stellen vor.
swissinfo und Agenturen
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