Zigarettenfilter-Fabrik Filtrona am Ende
Filtrona wird wie befürchtet geschlossen. Die britische Muttergesellschaft Bunzl hat entschieden, das Werk in Crissier bei Lausanne zu schliessen.
Betroffen sind rund 150 Angestellte, die im vergangenen Winter wochenlang gestreikt hatten.
«Der Entscheid zur Schliessung der Fabrik überrascht nicht», teilte die Gewerkschaft Comedia mit. Seit der Übernahme durch Bunzl im Herbst 2003 habe sich dies abgezeichnet.
Bei einem Arbeitskampf mit der Gruppenführung hatte die Belegschaft von Filtrona einen Teilsieg davongetragen. Ihr wurde eine Beschäftigungs-Garantie bis Ende Juni und ein Sozialplan von zwei Millionen Franken für den Fall der befürchteten Schliessung eingeräumt.
Zu Beginn hatte das Personal allerdings sieben Mio. gefordert. Zwischen Ende November und Mitte Januar hatte das Personal immer wieder gestreikt.
Ungeliebte Konkurrenz
Nach Angaben von Comedia hat Bunzl die ehemalige Baumgartner- Papier-Tochter aus dem alleinigen Grund gekauft, um sich das Know-how und einen Maschinenpark anzueignen sowie um den letzten Konkurrenten auf dem Zigarettenfilter-Markt auszuschalten.
In der Mitteilung an die Angestallten machte Bunzl hingegen Rentabilitäts-Gründe für den Entscheid geltend: Nach der Übernahme hatte der britische Multi dem Werk in Crissier eine Frist von 18 Monaten bis April 2005 gesetzt, um rentabel zu werden.
Die Absicht von Bunzl sei es gewesen, das Unternehmen durch neue Investitionen und erweiterte Kundschaft zu sanieren, hiess es am Freitag von Seiten der Filtrona-Direktion.
Angestellte wollen weiter kämpfen
Die Leistungsfähigkeit des Unternehmens habe sich jedoch nicht verbessert, im Vergleich zu anderen Einheiten der Gruppe in Europa.
«Qualitäts- und Effizienzprobleme bestanden vielmehr weiter und neue Verluste wurden verzeichnet», fügte Filtrona an. Man werde sich aber bemühen, die Verpflichtungen einzuhalten, namentlich den im Januar geschlossenen Sozialplan.
Die Angestellten wollen sich am Montag mit den Gewerkschaften treffen, um Gegenvorschläge auszuarbeiten, welche die Arbeitsplätze in Crissier retten sollen. Gemäss dem Arbeitsgesetz haben sie dafür einen Monat Zeit.
Verblüffter Baumgartner-Direktor
Der Direktor der ehemaligen Filtrona-Besitzerin Baumgartner, Claude Romy, zeigte sich auf Anfrage «verblüfft» vom Schliessungsentscheid. Er erinnerte daran, dass Filtrona Anfang Jahr den Pachtvertrag für das Werk bis Frühling 2007 verlängert habe.
Dies sei damals ein ermutigendes Zeichen gewesen. «Die Nachricht über die Schliessung nur wenige Monate später erstaunt mich wirklich», sagte Romy.
swissinfo und Agenturen
Die Angestellten von Filtrona hatten seit Ende vergangenen Novembers wiederholt gestreikt, da sie eine Schliessung des Standorts befürchteten.
Sie forderten die Fortführung des Betriebs, einen neuen Gesamtarbeits-Vertrag und einen Sozialplan.
Die Betriebsversammlung stimmte im Januar einem Sozialplan und einer Arbeitsplatzgarantie bis kommenden Juni mit grosser Mehrheit zu.
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