The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Auch Blinde sollen Hundetaxe zahlen

Sparwille am falschen Objekt? Keystone

Die Stadt Bern will als einzige Schweizer Gemeinde neu auch Blinden eine jährliche Hundetaxe auferlegen. Die grösste Blindenführhunde-Schule im Land protestiert: Damit setze ausgerechnet die Bundes-Hauptstadt ein falsches Signal.

Letztes Jahr segnete das Berner Stimmvolk das neue aufs Verursacherprinzip ausgelegte Gebühren-Reglement an der Urne ab. Danach werden ab laufendem Jahr auch Halterinnen und Halter von Blindenhunden, Lawinen-, Polizei- und Militärhunden für ihre Tiere zur Kasse gebeten.

Das heisst, dass auch die «vom Schicksal benachteiligte Bevölkerungsgruppe», die Blinden, die 100-fränkige Hundetaxe abliefern müssen. Für Bruno Kuster, Geschäftsleiter der Schule für Blindenführhunde in Allschwil (BL), ist dies eine unsinnige Regelung.

Blinde, die mit Hunden unterwegs sind, gehen gemäss Kuster gefahrloser, rascher und sicherer durchs Leben: «Hunde führen Blinde problemlos um Baustellen herum, während solche Hindernisse für Stockträger grosse Probleme darstellen».

Am falschen Ort gespart

In der Stadt Bern sind derzeit sieben ausgebildete Allschwiler Blinden-Führhunde sowie zwei Junghunde in Ausbildung im Einsatz. Die Mehreinnahmen für die Stadt sind also marginal. In einem Brief an die Stadt Bern kommentiert Kuster die finanzielle Seite mit den Worten «Sparwille am falschen Objekt».

In der ganzen Schweiz gibt es 210 Führhunde und 70 Junghunde aus Allschwil sowie rund 140 weitere Führ- und zirka 40 Junghunde aus drei anderen Blinden-Führhunde-Schulen der Schweiz. Die Hunde leben verstreut in der ganzen Schweiz. Kuster ist keine einzige Gemeinde bekannt, die eine Hundetaxen erhebt.

Festhalten am Verursacherprinzip

«Hunde verursachen einem Gemeinwesen nicht eben geringe Reinigungs-Kosten», sagte auf Anfrage Beat Giraudi, Direktionssekretär der Direktion für öffentliche Sicherheit der Stadt Bern. Allein die Entleerung der Robidogs kostete 1999 die Stadt rund 187’000 Franken.

Im Vergleich dazu seien 100 Franken pro Jahr wenig, so Giraudi, der hinter dem Verursacherprinzip steht. Es mache aus juristischer Sicht auch keinen Sinn, ein Reglement voller Ausnahmen zu machen.

swissinfo und Agenturen

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft