Aufräumen nach allmählichem Pegel-Rückgang
Die Situation in den Unwettergebieten entspannt sich langsam dank dem Rückgang der Fluten. Es werden aber immer noch Evakuationen durchgeführt.
Mit der Verminderung der Pegelstände und den Aufräumarbeiten wird das Ausmass der Zerstörungen oft erst richtig ersichtlich.
Ausbleibende Niederschläge und sinkende Seepegel führten am Donnerstag in den Hochwassergebieten wieder zu etwas zuversichtlicherer Stimmung.
So wurde aus der Stadt Luzern eine leichte Besserung gemeldet. Der Pegel des Vierwaldstättersees ging nach dem Höchststand von 435,22 Metern in der Nacht stündlich um einen halben Zentimeter zurück.
Noch immer waren aber Teile der Altstadt überschwemmt. 350 Helfer von Feuerwehr, Zivilschutz und Polizei waren im Dauereinsatz.
Im Kanton Obwalden war Engelberg weiterhin von der Umwelt abgeschnitten. Der Bau einer Notstrasse wird rund zwei Wochen dauern. In Sarnen wurde die Bevölkerung aufgefordert, den Wasserverbauch auf das Minimum zu beschränken.
Schäden an Kulturgütern
Das Wasser ging in der Nacht weiter zurück und fördert das riesige Ausmass der Schäden zu Tage. So wurden im Frauenkloster Sarnen Kulturgüter von nationaler Bedeutung durch Wasser beschädigt. In Lungern wurde ein 160 Kubikmeter grosser Fels gesprengt, der Wohngebiete bedrohte.
Im Kanton Schwyz machte in Brunnen die aufkommende Föhnlage Sorgen, die mit dem Wind noch mehr Wasser in den bereits überfluteten Dorfkern treiben könnte. Die Absperrungen wurde verstärkt. Die Axenstrasse zwischen Brunnen und Sisikon war weiterhin gesperrt.
Nord-Süd-Verkehr am Anrollen
Auf der wichtigsten Nord-Süd-Achse zeichnet sich eine Entspannung ab. Die SBB nehmen am Gotthard den Bahnverkehr wieder schrittweise auf und führen am Freitag wieder direkte Züge von Basel ins Tessin.
Noch am Donnerstagnachmittag verkehrten die ersten Züge auf der Gotthardachse, allerdings nur für die Bevölkerung aus der Region.
Im Strassenverkehr wird die Autobahn A2 möglicherweise auf das Wochenende hin ebenfalls wieder geöffnet.
Schwemmholzprobleme im Bernischen
Im Kanton Bern sanken die Pegelstände des Brienzer- und des Bielersees weiter, und auch der Thunersee wies eine leicht sinkende Tendenz auf.
Riesige Schwemmholzmengen trieben aber auf den Seen und behinderten den Abfluss in den Schleusen von Thun und Interlaken. Der Thunersee-Abfluss reduzierte sich seit Mittwochmorgen um sieben Prozent.
Weiterhin von der Umwelt abgeschnitten waren das verheerend getroffene Brienz und weitere Gebiete im Berner Oberland.
Im Berner Mattequartier an der Aare wurden am frühen Donnerstagnachmittag die letzten 9 Personen evakuiert. Damit wurden über 300 Personen ausgesiedelt. Eine Person, die sich vor der Polizei versteckt hielt, wurde auch evakuiert. Gemäss Poliziesprecher Franz Märki muss diese nicht mit Sanktionen rechnen. Die Behörden hatten die Zwangsevakuierung angeordnet, weil Häuser einzustürzen drohten.
Belastete Dämme in der Ostschweiz
Aus der Linthebene im Kanton St. Gallen wurde eine hohe Belastung der Dämme gemeldet. Die Pegel der Linth seien aber seit einem Tag stabil mit sinkender Tendenz.
Bei der Rhätischen Bahn blieb die Strecke Ardez-Scuol wegen der weggespülten Tasna-Brücke gesperrt.
Bäuerlicher Solidaritäts-Appell
Der Schweizerische Bauernverband (SBV) appellierte angesichts der Unwetterschäden in der Landwirtschaft an die Solidarität der Mitglieder. Besonders gravierend sei der Verlust der Futtervorräte für den Winter.
Im Kanton Bern, wo im Oberland 500 Betriebe betroffen sind, wurde bereits eine Futtermittelbörse eingerichtet.
Starke Regenfälle lösten Erdbebenserie aus
Der Schweizerische Erdbebendienst hat in der Zentralschweiz während den Unwettern eine ungewöhnliche Häufung von Erdbeben registriert. In der ersten Wochenhälfte sind 47 Beben gemessen worden, die meisten davon mit einer Stärke zwischen eins und zwei auf der Richterskala.
Die Beben der letzten Tage konzentrierten sich auf Regionen im Kanton Schwyz sowie Ob- und Nidwalden. Vereinzelt waren die Beben von der Bevölkerung als lauter Knall wahrgenommen worden.
Mit Schäden sei laut Erdbebendienst aber wegen der geringen Stärke der Erdbewegungen nicht zu rechnen. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe nicht bestanden.
Man geht davon aus, dass die Beben von den starken Regenfällen der vergangenen Tage ausgelöst wurden. Dafür spreche die Häufung in der Zentralschweiz sowie die geringe Tiefe der Erdbebenherde.
swissinfo und Agenturen
Die Glückskette führt am 31. August einen nationalen Sammeltag für die Hochwasser-Opfer durch. Von sechs Uhr morgens bis Mitternacht können dann in sechs Sammelzentralen telefonisch Spenden angemeldet werden.
Bis am Donnerstagnachmittag waren bei der Glückskette bereits Spenden in Höhe von rund einer halben Mio. Fr. eingegangen.
Das Sammelkonto der Glückskette trägt die Nummer 10-15000-6. Der Sammelvermerk lautet «Unwetter Schweiz».
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