Den Menschenrechten ein Gesicht geben
Die Schweizer Ausstellung "Das Bild der Menschenrechte" ist in den USA zu Gast. Sie ist im Mai und Juni am Flughafen von Boston zu sehen.
Die Schau, die nicht nur Verstösse gegen die Menschenrechte zeigt, soll zum Nachdenken über die Relevanz dieser Rechte für alle Menschen anregen.
Am Dienstag wurde die Ausstellung im internationalen Terminal des Flughafens Logan eröffnet. Unter anderem im Beisein des Schweizer Staatsrechtlers Walter Kälin und des Schweizer UNO-Botschafters in Genf, Blaise Godet.
Mit der Ausstellung wird zugleich der Schaffung des neuen Menschenrechts-Rats der UNO vor einem Jahr gedacht.
Die Schau ist gegliedert in 13 Tafeln mit je drei Bildern und je einer konkreten Frage zu einem Aspekt der Menschenrechte.
Vision des guten Lebens
«Wir suchten nach einem Weg, aufzuzeigen, was die Menschenrechte ganz grundsätzlich sind, eine Vision des guten Lebens», erklärte Kälin in Boston gegenüber swissinfo. Zweifelsohne gehörten die Menschenrechte zu den bedeutendsten Errungenschaften der modernen Zivilisation.
«Und sie stehen unter Druck», erklärte Kälin, der als geistiger Vater des Menschenrechts-Rates der UNO gilt, weiter. Einerseits von Terroristen, andererseits aber auch von Regierungen, «die denken, im Kampf gegen den Terrorismus dürften sie an den Grundrechten herumschrauben».
Angesichts der täglichen Schreckensmeldungen über Gewaltakte und oft ungeahndeten Verletzungen der Menschenrechte drohten zudem immer mehr Menschen, zynisch zu werden. «Diesem Zynismus wollen wir etwas entgegenwirken, das ist eine Idee hinter der Ausstellung», so Kälin weiter.
«Wenn wir mit der Ausstellung Denkanstösse geben können, die Leute dazu bewegen können, dass sie sich der Relevanz dieser Rechte für sich selber und die Welt bewusst werden, dann haben wir ein Ziel erreicht.»
Herausforderung für den Menschenrechts-Rat
In ähnlichem Sinne äusserte sich auch Botschafter Godet, der vor den zahlreich erschienenen Gästen auf die Bedeutung der Menschenrechte nicht nur für die Politik der Schweiz hinwies, sondern für die regionale und internationale Sicherheit.
Es liege nicht nur im Interesse der Staatengemeinschaft, sondern sei eine Pflicht, auf die Durchsetzung der Menschenrechte zu pochen. Noch sei der Menschenrechts-Rat in der Phase der Entwicklung, und er müsse ein besseres Instrument werden, als seine diskreditierte Vorgängerin, die Menschenrechts-Kommission.
Neben den klassischen Menschenrechten gehe es heute immer mehr auch um Rechte im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung, um soziale Rechte und anderes mehr.
Abstraktem Begriff ein Gesicht geben
Walter Kälin hat die Ausstellung zusammen mit dem Verleger Lars Müller entwickelt, dem Kurator. Es ging darum, einen Weg zu finden, wie der abstrakte Begriff der Menschenrechte ein Gesicht erhalten könne. Die gleiche Idee steckte auch schon hinter dem Buch «être. Das Bild der Menschenrechte», das im Verlag Müllers herausgegeben wurde.
Die Ausstellung zeigt die Vielfalt des menschlichen Daseins, der «condition humaine» auf. Sie ist unterteilt in Kapitel wie das Recht auf Leben, auf Nahrung, auf Bildung, auf den Schutz des Eigentums, auf Gewissens- und Religionsfreiheit. Sie dokumentiert aber nicht nur Verletzungen der Menschenrechte, sondern auch Bilder der Wahrung dieser fundamentalen Rechte des Zusammenlebens auf der Welt.
Zum Ausstellungsort sagte Kälin, angesichts der Universalität der Menschenrechte sei ein internationaler Terminal eines Grossflughafens natürlich ein sehr geeigneter Ort, die Botschaft weiterzugeben. Pro Tag kommen rund 5000 bis 6000 Menschen durch den Termin E.
Die Ausstellung war zuvor schon in 30 Städten weltweit zu sehen gewesen, unter anderem an so unterschiedlichen Orten wie Skopje und Sidney.
swissinfo, Rita Emch, Boston
Die Ausstellung «Das Bild der Menschenrechte» erfolgt im Rahmen des
Programms «Think Swiss – Brainstorm the Future», mit dem die Schweiz in diesem Jahr besonders für ihren Bildungs-, Forschungs- und Innovations-Platz wirbt.
Operativ umgesetzt wird «Think Swiss» vom Wissenschafts-Konsulat SHARE in Boston, seinem Schwesterinstitut swissnex in San Francisco und durch das Office of Science, Technology and Higher Education (OSTHE) der Schweizer Botschaft in Washington, D.C.
Die sieben konventionelle UNO-Organe zur Respektierung und Durchsetzung der Menschenrechte:
Kommission zur Eliminierung von Rassendiskriminierung
Kommission für ökonomische, soziale und kulturelle Rechte
UNO-Menschenrechtsrat
Ausschuss für die Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau
Kommission gegen die Folter
Kommission für die Rechte des Kindes
Kommission zum Schutz der Rechte aller Wanderarbeitnehmer
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