Dieter Bachmann: Amtsantritt als Direktor des Istituto Svizzero in Rom
In diesen Tagen nimmt Dieter Bachmann sein Amt als neuer Direktor des Schweizerischen Instituts in Rom auf. Der 60- jährige Literaturwissenschaftler hofft, in der italienischen Hauptstadt einen lebendigen Ort des Dialogs zu verwirklichen.
In Arzo (TI), wo Bachmann in den letzten Jahren als freier Schriftsteller lebte, ist alles für den Umzug bereit. Zusammen mit seiner Frau bezieht er in den kommenden Tagen die Dienstwohnung in der herrschaftlichen Villa Maraini, dem Sitz des Istituto Svizzero im Herzen Roms.
Das von einer Stiftung getragene Institut ist in erster Linie ein Ort für Stipendiaten. Jährlich kommen rund acht bis neun junge Schweizer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in einem geisteswissenschaftlichen Fach promovieren oder habilitieren. Daneben hält sich ein halbes Dutzend Künstler dort auf, denen Ateliers zur Verfügung stehen.
Kein Propagandazentrum
Die Betreuung der Stipendiatinnen und Stipendiaten wird auch weiterhin Priorität haben. Doch daneben will Bachmann verstärkt ein eigenes kulturelles Leben im Institut aufbauen, als Kontaktpunkt zwischen der Schweiz und Italien, eingebettet in einen europäischen Kontext.
Es solle kein Propagandazentrum für Schweizer Kultur werden, erklärte Bachmann gegenüber der Nachrichtenagentur sda . Ziel sei es vielmehr, das Zentrum zu öffnen, aber auch den Namen des Istituto in Rom bekannt zu machen, ähnlich wie es dem Centro di cultura Svizzera in Mailand unter Chaspar Pult gelungen ist. Bestimmte Veranstaltungen sollen daher ausserhalb der Villa Maraini organisiert werden.
Für November hat Bachmann eine Eröffnungswoche geplant, in seinem Kopf existieren aber auch schon langfristigere Projekte. «In zwei bis drei Jahren will ich eine grosse Ausstellung über die italienische Emigration in die Schweiz machen. Ich denke, das sind wir den Italienern schuldig.»
Minderwertigkeitskomplexe ablegen
Bachmann ist im Übrigen überzeugt, dass die Schweiz kulturell Einiges zu bieten hat: «Wir brauchen keine Minderwertigkeitskomplexe zu haben». Es gebe viele Künstler und Architekten der Avantgarde in der Schweiz und das Schauspiel im Theater sei absolut erstklassig.
Doch die Erkenntnis von der Lebendigkeit der Schweiz hat sich laut Bachmann noch nicht durchgesetzt. Viele Personen seiner Generation hätten die Eidgenossenschaft immer nur als engen und langweiligen Käfig betrachtet. Er sehe inzwischen die Chance dieses Landes mit ihren multikulturellen Werten.
1940 in Basel geboren, studierte Bachmann an der Universität Zürich Germanistik und Philosophie. Er war Kulturredaktor der «Weltwoche», des «Tages Anzeiger-Magazins» und schliesslich über 10 Jahre – bis 1998 – Chefredaktor der Zeitschrift «Du». Die letzten 17 Jahre pendelte er zwischen Zürich und dem Tessin hin und her.
Familie Sommaruga im Stiftungsrat
Seine Wahl zeigt auf, dass das Istituto Svizzero einen Akademiker, aber keinen klassischen Wissenschaftler zum Direktor wollte. Das Institut wurde 1949 eröffnet, zwei Jahre nachdem Carolina Contessa Maraini-Sommaruga ihr herrschaftliches Wohnhaus der Schweizerischen Eidgenossenschaft geschenkt hatte.
Im Stiftungsrat ist die Familie Sommaruga bis heute vertreten, daneben die Schweizer Botschaft in Rom, das Bundesamt für Kultur sowie die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. Neben Eigenkapital und Zuschüssen decken auch Gelder von Privaten und Sponsoren das Budget des Instituts.
swissinfo und Agenturen
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