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Eine Stellenplattform für HIV-Positive

HIV und Aids - auch heute noch möglichst weggeschoben. Keystone

HIV-positive Menschen werden am Arbeitsplatz oft diskriminiert. Die Aids-Hilfe Schweiz lanciert nun eine Jobbörse im Internet.

Rund 700 Firmen wurden angefragt. Weniger als 30 wollen das Projekt unterstützen.

Lehrabschlussprüfung. Zu beurteilen ist die Prüfung eines Kochs. Kein einziger von den Experten kostete von den Speisen, die er zubereitet hat. Grund: Der junge Mann ist HIV-positiv und hatte seinen Status offenbart.

Eine typische Geschichte aus dem Alltag, sagt Ruth Rutmann, die Geschäftsleiterin der Aids-Hilfe Schweiz an der Orientierung über die Jobbörse. Auch wenn das Beispiel aus Deutschland «entlehnt» sei, es hätte sich auch in der Schweiz zutragen können, meint Rutmann.

Nicht Böswilligkeit, sondern Unwissen

«Solch unbeholfenes Verhalten erscheint mir typisch für die Diskriminierung und Stigmatisierung, die heute HIV-positive Menschen in der Arbeitswelt trifft», findet Rutmann.

Tatsache ist: Dank den neuen Therapien können viele der 20’000 HIV-positiven Menschen in der Schweiz heute erwerbstätig bleiben.

Allerdings warten im Berufsleben viele Hindernisse; angefangen beim Vorstellungsgespräch bis hin zur Einschränkung der beruflichen Mobilität.

Jeder Vierte hat Stelle verloren

Laut einer Nationalfondsstudie an der Fachhochschule Solothurn Nordwestschweiz hat rund ein Viertel der befragten HIV-positiven Menschen schon mindestens einmal wegen dem Virus die Stelle verloren.

Von den knapp 800 Befragten mussten 23% während einem Bewerbungsgespräch ihren HIV-Status gegenüber dem Arbeitgeber bekanntgeben. Für 67% hatte dies negative Konsequenzen.

Jobbörse im Internet

Die wichtigste Massnahme gegen diese Diskriminierung ist die soeben eröffnete Jobbörse. Die Anlaufstelle für HIV-positive Stellensuchende ist eine Schweizer Premiere.

«Darüber hinaus ist es auch eine Referenzadresse für alle Firmen, die ihre Solidarität mit den Betroffenen öffentlich machen», sagt Ruth Rutmann. Die Firmen würden auf eine «Liste der engagierten Firmen» gesetzt, die ebenfalls über die Internetadresse der Jobbörse abgerufen werden könne.

Doch das Echo der Arbeitgeber ist ernüchternd: «Von 700 Firmen, die wir angefragt haben, ob sie an der Jobbörse teilnehmen wollen, haben nur 90 geantwortet. Davon haben 65 die Aufnahme in die Börse abgelehnt», sagte Rutmann gegenüber swissinfo.

Fehlendes Wissen

Die Aids-Hilfe Schweiz ortet eine grosse Verunsicherung rund um das Thema. Mit grossen, gelben Plakaten wird in der Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht.

«Liebe Arbeitgeber, Diskriminierung macht HIV-Infizierte wirklich krank.» So lautet einer der Texte der neusten Stop-Aids-Kampagne.

«Bei den Arbeitgebern fehlt meist das Wissen, was HIV genau ist», sagt Caroline Suter, die Projektleiterin bei der Aids-Hilfe Schweiz. Oft sei schlicht nicht bekannt, wie das Virus übertragen werde, welche Auswirkungen HIV auf den Arbeitsplatz habe und insbesondere welche Auswirkungen HIV eben nicht habe.

Aus diesem Grund wurde nebst der Stellenbörse auch ein Leitfaden erarbeitet, welcher Arbeitgeber über die wichtigsten Elemente, wie medizinische Aspekte, Versicherungsfragen, Datenschutz, Therapien oder Schutz vor Diskriminierung aufklärt.

An einer Broschüre, die sich an HIV-positive Stellensuchende und Arbeitnehmende richtet, wird zur Zeit gearbeitet. Sie liegt ab kommendem Jahr auf.

swissinfo

In der Schweiz leben 20’000 HIV-Positive
70% davon sind arbeitsfähig
2002 wurden 792 neue HIV-Infizierungen registriert

Bis vor etwa acht Jahren entwickelte sich bei HIV-positiven Menschen fast zwangsläufig die Immunschwäche-Krankheit Aids.

Seit 1996 allerdings ist die Zahl der Aids-Fälle in der Schweiz aufgrund besserer medizinischer Behandlung stark zurück gegangen.

Seit etwa drei Jahren registriert die Rechtsberatung der Aids-Hilfe Schweiz vermehrt Fragen zu Problemen am Arbeitsplatz.

Es geht um Diskriminierung, Verletzung des Datenschutzes, Mobbing oder Probleme mit den Versicherungen im Betrieb.

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