Erste Hoffnung zerschlagen: Leere Kaverne
Im französischen Jura sind die Sucharbeiten nach der in einer Höhle vermissten Schweizer Gruppe die zweite Nacht in Folge auf Hochtouren fortgesetzt worden. Eine erste Hoffnung zur Rettung der Eingeschlossenen hat sich zerschlagen: Die Retter hatten einen Seitenstollen zu einer höher gelegenen Kaverne gebohrt. Der Hohlraum ist jedoch leer.
Die in einer Höhle im französischen Jura eingeschlossenen acht Schweizer befinden sich nicht in der dem Ausgang näheren Kaverne. Die Retter konnten am Freitagmorgen (18.05.) von aussen einen Zugang zu der 70 Meter vom Höhleneingang entfernten Luftkammer schaffen, wie der stellvertretende Präfekt der Region Franche-Compte am Freitag in Goumois bekannt gab. Dort fanden sie aber keine Spur der drei Frauen und fünf Männer im Alter von 25 bis 35 Jahren.
Die Hoffnung der Retter liegt jetzt auf der zweiten Kaverne, die 350 Meter vom Ausgang entfernt ist. Zu dieser versuchen sie nun vorzudringen. «Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen und bis zum Äussersten gehen», sagte der stellvertretende Präfekt.
Ein technischer Berater und ein Höhlenforscher sagten vor den Medien, aufgrund früherer Erfahrungen dürfe die Hoffnung nicht aufgegeben werden. Die Höhle biete mehrere Fluchtmöglichkeiten. Auch wenn die Temperaturen aussen während der Nacht gesunken sei, sei sie unter Erde gleich geblieben.
Regen hält an
Die rund 200 Rettungsexperten arbeiten an zwei verschiedenen Stellen. Einerseits vergrössern sie mit kleinen Sprengladungen den Höhlengang. Dies soll den Einsatz von Pumpen ermöglichen, um den Wasserstand in der Höhle «Bief Parrou» bei Goumois zu senken, wie ein Verantwortlicher der Rettungsarbeiten ausführte.
Es hat jedoch wieder zu regnen begonnen und der Wasserstand ist unverändert hoch. Die Pumparbeiten mit zusätzlichen Geräten konnten lediglich das neu hinzukommende Wasser entfernen.
Höhlenverband erhebt schwere Vorwürfe gegen Organisatoren
Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher (VdHK) hat schwere Vorwürfe gegen die Organisatoren der Tour in die Höhle erhoben. Nach seinen Informationen sei die Gruppe vor dem Betreten der Höhle wegen des schlechten Wetters gewarnt worden, sagte der Verbandsvorsitzende Michael Laumanns am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. Das sei aber ignoriert worden. Der Unfall sei somit eindeutig auf Inkompetenz zurückzuführen. Nach seinem derzeitigen Kenntnisstand hätten die Organisatoren der Tour fahrlässig gehandelt.
Die Lage bezeichnete Laumanns allmählich als «sehr, sehr kritisch». Er wies darauf hin, dass die Höhle sehr eng sei und die Eingeschlossenen im kalten Wasser ausharren müssten. Er warnte grundsätzlich davor, Höhlentouren im Reisebüro zu buchen und empfahl, sich immer und ausschliesslich an die entsprechenden Höhlenvereine vor Ort zu wenden.
Die fünf Männer und drei Frauen waren am Mittwoch vom Wasser überrascht worden. Seither konnte kein Kontakt zu ihnen hergestellt werden. Die Eingeschlossenen hatten für den auf zwei Stunden geplanten Höhlengang keinerlei Verpflegung mitgenommen.
Leuenberger bedankt sich bei Vedrine für Rettungseinsatz
Bundespräsident Moritz Leuenberger hat sich am Freitagmorgen in Bern persönlich beim französischen Aussenminister Hubert Vedrine für den Rettungseinsatz für die in einer Höhle bei Goumois verschütteten acht Schweizer bedankt. Vedrine weilte für rund eine halbe Stunde zu einem Höflichkeitsbesuch bei Leuenberger, wie die Sprecherin des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikatin (Uvek) bekanntgab. Der französische Aussenminister führte in Bern im Rahmen seines zweitägigen Arbeitsbesuchs Gespräche mit seinem Amtskollegen Joseph Deiss.
swissinfo und Agenturen
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