«Gulliver» begegnet Menschen
"Gulliver" ist ein künstlicher Organismus in der Form eines wahrnehmenden und sich in Ton, Licht und Bildern ausdrückenden Raumes. An der Wissenschafts-Woche in Zürich tritt er mit den Besuchern erstmals in Kontakt.
Dieser künstliche Organismus, der am Institut für Neuroinformatik der ETH und Uni Zürich (INI) entstanden ist, kann mit der Umgebung kommunizieren und einfache Spiele spielen. Vom 05. – 07. Mai steht «Gulliver» im Zürcher Hauptbahnhof und lädt das Publikum zu einem Austausch zwischen Technik und Mensch ein.
«Gulliver» ist Teil des Forschungsprojekts «Ada»
«Wir wollen herausfinden, wie das Gehirn funktioniert», beschreibt INI-Projektleiter Paul Verschure die Forschungs-Tätigkeit des Instituts gegenüber swissinfo. «Wir glauben, dass wir uns diesem Ziel annähern können, wenn wir Systeme konstruieren, die mit der Welt interagieren können».
Deshalb wurde «Gulliver» entwickelt, der auf dem Prinzip des weltweit ersten Computer-Organismus «Ada» basiert. Auch «Ada» wurde von INI kreiert. Das Gehirn von «Ada» ist ein Computer-Netzwerk, die Sinnesorgane sind Kameras, Mikrophone und druckempfindliche, lichtdurchlässige Boden-Platten. Der begehbare Raum kann den Besucher nicht nur wahrnehmen, sondern mittels Licht- und Musiksignalen mit ihm kommunizieren.
«Ada» will spielen
«Ada spielt gerne», bekräftigt Verschure. Wenn sie merkt, dass Leute ihren Boden betreten, versucht sie, diese mit Signalen zum Fussball- oder Versteck-Spiel zu verleiten. «Mit Kindern spielt sie besonders gerne und wird dann ganz übermütig», fügt Verschure hinzu. Auch «Gulliver» – eine kleinere Version von «Ada» – wird in der Halle des Zürcher Bahnhofs Menschen zum Spielen animieren.
«Ada» kann auch traurig sein. «Dies geschieht dann, wenn die Leute nicht auf sie eingehen und spielen wollen», so Verschure. Dann ertönt im ganzen Raum ein dumpfer, melancholischer Ton. Durch sogenannte Roboser kommuniziert «Ada» mit den Besuchern akustisch und drückt den momentanen inneren Zustand seines simulierten Nervensystems aus.
Technologie mit eigener Meinung
Diese begehbare künstliche Welt soll zeigen, dass Wahrnehmung ein kreativer Akt sei. «Wir versuchen, eine Technologie zu entwickeln, die eine eigene Meinung hat», präzisiert Verschure. «Die Technologie von morgen wird Wesen hervorbringen, die nicht bloss Befehle ausüben, sondern wie Menschen lernfähig sind, Meinungen haben und mit der Welt kommunizieren.»
Eine solche Technologie mache allerdings auch Angst, wie alles Neue, meint Verschure. Deshalb sei es wichtig, dass die Forscher mit der Öffentlichkeit vermehrt in Dialog treten und sie über den Stand der Dinge laufend informieren würden. «Eines ist jedoch sicher: Eine Maschine wird nie einen Menschen ersetzen, auch wenn diese schon fast menschliche Züge annimmt», beruhigt Verschure.
Alina Kunz Popper
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