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Hochwasser jederzeit wieder möglich

Das "Jahrhunderthochwasser" am 15. Mai 1999 im Berner Matte-Quartier. Keystone

Ein Jahrhundert- Hochwasser kann die Schweiz jederzeit wieder heimsuchen. Es gelte deshalb, die Lehren aus den letztjährigen Überflutungen zu ziehen, heisst es in einem am Montag (07.08.) publizierten Bericht.

Insbesondere müsse die Warnung vor Gefahren besser werden, da ausreichender technischer Schutz schwer erreichbar sei.

Der Bericht geht vor allem den Ursachen der Hochwasser vom Mai 1999 vertieft nach, wie das Bundesamt für Wasser und Geologie (BWG) schreibt. Die hochalpine Schneeschmelze verursache zwar hohe Abflüsse, aber noch noch keine Höchsthochwasser. Erst durch die Rückhaltewirkung der Seen und die Überlagerung der Schneeschmelze mit Regen könnten deutliche Schadenhochwasser entstehen.

Auch wenn zuvor letztmals 1910 ein vergleichbares Ereignis eingetreten sei, müsse mit einem solchen Hochwasser wieder gerechnet werden. Möglicherweise könnten die Fluten schon bald wieder auftreten, denn aus unbekannten Gründen sei die Häufung von Schadenhochwassern in bestimmten Perioden aus unbekannten Gründen öfters zu beobachten.

Ein ausreichender technischer Schutz sei allerdings schwer zu verwirklichen. Dies liege an den sehr grossen Wassermengen, den verschiedenen Ursachen des Hochwassers und den begrenzten Platzverhältnissen. Weil solche Ereignisse zudem selten seien, müssten die Kosten des Schutzes in Grenzen gehalten werden. An der Linth oder an der Aare unterhalb von Thun sei bereits mit der Planung von Wasserschutzmassnahmen begonnen worden.

Bessere Lageberichte dank Internet

Als Massnahmen fordert der Bericht unter anderem eine bessere Information von Bund, Kantonen und Krisenstäben über die aktuelle hydrologische Situation. Heute sei bereits ein aktueller Lageüberblick dank Internet möglich. Jedoch sei ein weiterer Ausbau nötig. Für schnell ablaufende Ereignisse sei ein rasches Aufdatieren gefordert. Auch eine Verbesserung der Prognosequalität sei ein ständiges Anliegen.

Weiter sollen Gefahrenschutzkarten erstellt werden. Diese seien durch Identitätskarten nach spezifischen Ereignisse zu ergänzen. Nur wenn die gefährdeten Gebiete bekannt seien, könne angemessen reagiert werden. Bauten und Anlagen im Hochwasserbereich müssten auf ihre Belastbarkeit überprüft werden. Wasserbauliche Schutzkonzepte müssten auch extreme Ereignisse berücksichtigen.

Daneben brauche es eine angepasste Nutzung der bedrohten Gebiete. Das Ansteigen der Seespiegel und die geringe Dynamik der Kräfte ermögliche richtiges Verhalten. Eine dem Gefahrenfall angepasste Bauweise könne bei der Schadensbehebung geschehen und koste deshalb kaum wesentlich mehr als die reine Wiederherstellung.

Bei der Bewirtschaftung der Seen sei nach schneereichen Wintern darauf zuachten, dass die Füllung der Seen innerhalb der Vorschriften hinausgezögert wird. Allerdings sei die Wirkung dieser Massnahme wegen der verschiedenen Interessenlagen und fehlender Langfristprognosen begrenzt.

Direkte Kosten von 580 Millionen

Laut BWG entstanden durch die beiden Hochwasserwellen vom 10. bis 15. Mai und vom 22. Mai direkte Kosten von rund 580 Millionen Franken. Noch grössere Schadensummen seien 1987 und 1993 registriert worden, ein ähnlich hoher Betrag 1978. Somit sei das letzte Jahr als viertgrösstes Schadenjahr seit 1972 einzustufen. Zu den Hochwassern war es nach den aussergewöhnlich starken Schneefällen zwischen Ende Januar und Anfang März sowie den überdurchschnittlichen Niederschlägen zwischen 11. und 22. Mai letzten Jahres gekommen.

swissinfo und Agenturen

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