Höhlen-Drama: Noch kein Kontakt
In einem Wettlauf gegen die Zeit haben Rettungsteams im französischen Jura am Donnerstag (17.05.) um das Leben von sieben in einer Höhle eingeschlossenen Schweizer Studenten und deren Führer gekämpft. Wegen des kalten Wassers in der Höhle sinken deren Überlebenschancen stündlich. Unterdessen konnten Retter rund 40 Meter in die Höhle vordringen.
Am Abend gelang es den Helfern erstmals, rund 40 Meter ins Innere der Grotte vorzudringen, wie die Präfektur Besançon mitteilte. Sie erreichten den zweiten Abschnitt der Grotte und erweiterten den Zugang mit Sprengstoff, um so weitere Pumpen installieren zu können.
Der Wasserstand beim Eingang konnte so um 1,5 Meter gesenkt werden. 560 Kubikmeter Wasser wurden stündlich abgepumpt. Eine neue Pumpe sollte aus Colmar hergeschafft werden, um die vier im Einsatz stehenden zu unterstützen.
Kampf gegen das Wasser
Man müsse stärker als das Wasser sein, sagte Präfekt Alain Gehin. Im Inneren steige es weiterhin. In einigen Höhlengalerien erreiche das Wasser nun sechs Meter. Er versicherte, dass im Innern Flucht-Höhlen existierten. Ein Lebenszeichen von den Eingeschlossenen gab es indes noch immer nicht.
Hunderte von Helfern waren am Unglücksort in Goumois im französischen Département du Doubs – unweit der Schweizer Grenze – im Einsatz. Die anhaltenden starken Niederschläge hatten es ihnen zuvor unmöglich gemacht, in die Höhle vorzudringen.
Wassertemperatur 8 Grad
Nach Angaben eines französischen Höhlenforschers, der die Höhle zweimal besucht hat, ist die Lage für die Eingeschlossenen äusserst kritisch. Sie würden sich möglicherweise seit vielen Stunden im tiefen Wasser befinden.
Bei einer Wassertemperatur von 8 bis 10 Grad bestehe die Gefahr eines Todes durch Unterkühlung. Auch Remy Wenger, Schweizer Einsatzleiter vor Ort, macht sich Sorgen wegen Kälte und fehlender Lebensmittel.
Studenten aus Zürich
Bei den Eingesperrten handelt es sich um sieben Studierende der Hochschule für Soziale Arbeit Zürich und einen Führer des Veranstalters Altamira aus Bettingen BS. Die Firma bietet Kurse in Erlebnispädagogik an.
Keiner der Studenten hat Höhlenerfahrung. Auch beim Führer soll es sich möglicherweise um einen wenig geübten Höhlenforscher handeln. Nach Angaben von Markus Brändli von der Hochschule stammen die Studenten alle aus dem Grossraum Zürich. Sie sind zwischen 25 und 35 Jahre alt.
Inzwischen sind die Familien der Eingeschlossenen vor Ort eingetroffen. Sie werden von Psychologen betreut.
Vom Wasser überrascht
Die fünf Männer und drei Frauen waren am Mittwochnachmittag in die «Bief Parrou» bei Goumois hinabgestiegen und dann von einem plötzlichen Anstieg des Wasserpegels überrascht worden. Der Wasseranstieg wurde durch heftige Regenfälle verursacht.
Am Mittwochmorgen hatte eine erste Gruppe von 12 Studenten derselben Schule die Höhle ohne Probleme begangen. Die «Bief Parrou» gilt als leicht zugänglich. Die ersten 300 bis 400 Meter sind nach Angaben von Höhlenforscher leicht begehbar und erfordern keine spezielle Ausrüstung.
Konsularischer Schutz eingeschaltet
Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten ist in ständigem Kontakt mit den französischen Behörden. Der Schweizer Konsul in Mulhouse, Peter Oberhänsli, Schweizer Konsul in Mulhouse, fand sich am Mittag vor Ort ein. Nach seinen Angaben ist die Arbeit und die Organisation der französischen Behörden hervorragend.
Auch das Konsulat in Lyon und die Botschaft in Paris wurden informiert und der konsularische Schutz eingeschaltet.
swissinfo und Agenturen
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